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Das Geheimnis der Tänzer

25.08.2015

Absolute Stille herrscht in der Turnhalle, in der gerade der Tanzworkshop »Rhythm to dance« von den Choreographen und Tanzpädagogen Royston Maldoom und Tamara McLorg stattfindet. Aufrecht, den Blick nach vorne gerichtet, verharren die Teilnehmer_innen bewegungslos in ihrer Position. Jede_r einzelne scheint vollkommen entspannt und auf sich konzentriert. Diese Art der Selbstdisziplin nennt Royston Maldoom »focus«. »It´s a secret only dancers know. Don´t tell anyone!«, erklärt er der Gruppe schmunzelnd. Maldoom ist überzeugt, dass selbst jedes Kind – an so etwas wie ADHS glaubt er nicht – fähig ist für einen Moment komplett still zu sein. Diese Form der absoluten Hingabe und Konzentration ist nicht nur wichtig fürs Tanzen. Im richtigen Leben könne man nur mit Selbstdisziplin etwas erreichen.

Maldoom selbst hatte es oft nicht einfach. Trotz einer schwierigen Kindheit sowie anfangs ausbleibender Anerkennung und Geldnot vertraute er jedoch immer auf seine innere Stimme, die ihn zum Tanzen führte. Noch heute folgt er dem Motto »If you´ve got any doubt, don´t do it!« Um es durch die harten Zeiten des Lebens zu schaffen, brauche es neben Disziplin eine gute Portion Leidenschaft, stimmt Tamara McLorg zu. Einfach nur gut zu sein, reiche da nicht aus. Im Tanzkurs könne man Kindern zumindest Selbstdisziplin vermitteln. Viele hätten das woanders nie gelernt. Von den Workshop-Teilnehmenden arbeiten einige als Tanzpädagogen_innen. Royston Maldoom und Tamara McLorg wollen daher nicht nur mit ihnen tanzen, sondern ihnen vor allem Tipps für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auf den Weg geben.

Im Kurs zeigen sich die beiden Tanzprofis als ein perfekt eingespieltes Team. Das läge daran, dass sie sich schon früh kennen lernten, zusammen Fehler machten und sich gemeinsam weiter entwickelten, glaubt McLorg. »Tammy does exactly what I do but in her own way differently«, erzählt Maldoom den Teilnehmern_innen lachend. Tatsächlich sind beide bemerkenswerte Lehrer, – jeder auf seine eigene Art. Tamara McLorg bringt mit ihrer fröhlichen Sing-Sang-Stimme die gesamte Turnhalle zum Strahlen. »I love the German word ›Popo‹«, gibt sie grinsend zu, als sie eine Tanzbewegung erklärt. Mit ihrem Charme und ihrer Motivation steckt sie jeden an. Royston Maldoom geht etwas strenger vor, doch auch er kann sich ein Lachen nicht verkneifen, wenn mal eine Übung daneben geht. 

Man sieht beiden an, dass Tanzen ihr Leben ist. »You don´t dance to music, you dance music. It´s coming out of you.« Maldoom glaubt, dass sogar die einfachste Bewegung eine Geschichte erzählt. Dies beweist eine Übung, bei der sich jede_r Teilnehmer_in vier gänzlich unterschiedliche Posen ausdenken soll. In der Turnhalle entsteht eine Vielfalt an Bewegungsmustern. Nach und nach werden diese immer mehr miteinander verbunden, bis am Ende eine kurze Choreographie entsteht. – So einfach ist das! Zum Schluss des kleinen Tanzes erstarren alle Teilnehmenden in ihrer letzten Pose und wieder senkt sich eine konzentrierte Stille über den Raum. »Fokus« heißt das Zauberwort. Was nach Royston Maldooms und Tamara McLorgs Workshop bleibt, ist folgende Erkenntnis: Jeder kann tanzen, denn dahinter verbirgt sich gar kein so großes Geheimnis. 

Tamara McLorg und Royston Maldoom

Ein Bericht von unserer Praktikantin Alina Martius

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