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Hummeln und Schmetterlinge

04.09.2015

Mehrere Schwärme aus Hummeln und Schmetterlingen schwirren durch die Schünemannsche Mühle in Wolfenbüttel. Während erstere mit einem regen Summen von Blüte zu Blüte fliegen und diese befruchten, verweilen zweitere sanft flatternd in einer Ecke. Ein reges Treiben herrscht in der ba.

Hummeln? Schmetterlinge? – Keine Sorge, das Gästehaus der Bundesakademie ist natürlich zu keinem Insektenhotel geworden. Hier findet jedoch gerade der abschließende »Open Space« der Tagung »Anstecken« statt. »Worüber reden wir, wenn wir über das Künstlerische reden?« war die grundlegende Fragestellung der dreitägigen Veranstaltung. In vier ergebnisoffenen Laboren wurde nicht nur zu unterschiedlichen Unterthemen diskutiert und experimentiert, sondern es wurden auch viele Erfahrungen ausgetauscht. Im »Open space« sollte den Teilnehmenden am Ende die Möglichkeit gegeben werden über die vier Labore hinaus auf übergreifende Themen sprechen zu kommen – und das alles in Form einer »verlängerten Pause«:

 Laut Gründungslegende fragte Harrison Owen die Teilnehmenden nach einem von ihm geleiteten Kongress, was das Produktivste an der Veranstaltung gewesen sei. Diese antworteten ehrlich: »Die Pause!« – Jeder kennt das: Im »coffee-break« spricht man ungezwungen über Dinge, die einen interessieren, mit Menschen, die ähnlich empfinden. Inspirierende Gespräche entstehen. Owen entwickelte mit dem „Open Space“ eine Methodik, die dieses »Pausen-Prinzip« für Gruppendiskussionen systematisierte und anwendete: Ein »Open Space« soll Freiraum schaffen. Er ist wohl die radikal basisdemokratischste Form einer Großgruppenmoderation, die es ermöglicht mit sehr vielen Teilnehmenden an unterschiedlichen Themen zu arbeiten. Kennzeichnend für einen »Open Space« ist die inhaltliche Offenheit. Die Teilnehmer_innen bestimmen selbst, über was sie reden wollen, und finden sich in entsprechenden Kleingruppen zusammen. Trotz der großen Offenheit hat der »Open Space« einige wenige Regeln:

  1. »Die, die da sind, sind genau die Richtigen.« – Die Teilnehmenden der Tagung stammten aus den verschiedensten Berufen und Bereichen. Doch jeder, der kommt, ist an dem Thema interessiert und somit den anderen ein guter Gesprächspartner.

  2. »Was immer geschieht, geschieht.« – Bei einer Gruppe wurde zu Beginn eine Tasse Kaffee verschüttet. Selbst der Kaffeefleck auf der Mindmap wurde von den Teilnehmer_innen als Teil des Prozesses und der Diskussion angesehen.

  3. »Es beginnt, wenn die Zeit reif ist.« – Das Buffet mit köstlichem Fingerfood verführte häufig zu einer klitzekleinen Essenspause – da musste die Diskussion auch mal warten.

  4. »Vorbei ist vorbei, nicht vorbei ist nicht vorbei.« – Auch wenn im Rahmen der Tagung natürlich eine Endzeit festgesetzt werden musste, tauschten einige Teilnehmenden ihre Email-Adressen aus, um auch in Zukunft an gemeinsamen Interessensthemen arbeiten zu können.

  5. Das »Gesetz der zwei Füße« besagt, dass der Teilnehmende nur so lange in einer Gruppe bleibt, wie es ihm selbst sinnvoll erscheint. Er kann jederzeit in andere Gruppen wechseln. Und hier kommen wir nun zu den „Hummeln« und »Schmetterlingen« als metaphorische Bezeichnungen für zwei typische Verhaltensweisen: Die »Hummeln« fliegen von Gruppe zu Gruppe, befruchten diese durch neue Impulse, und stauben neue Gedanken ab. Die »Schmetterlinge« dagegen sind meistens in stillen Ecken oder am Buffet zu finden. Ihre Gelassenheit zieht andere Menschen an, wodurch interessante Gespräche entstehen.

Der »Open Space« der Tagung »Anstecken« – moderiert durch den Experten Prof. Dr. Gert Fieguth – steckte an. Oder – um es in der »Open Space«-Metaphorik zu sagen: Er rief eine gewaltige »Blütenexplosion« unter den Teilnehmenden hervor. Die Tagung bot sehr viel mehr als nur interessante Gespräche: Sie setzte Impulse frei, schuf Vernetzung, und gab Platz für die Entwicklung von ganz neuen Gedanken. Ich bin mir sicher, dass das Gepäck der Teilnehmer_innen am Abfahrtstag mit einigen »Blütenpollen« gefüllt war, die sie nun in allen Städten Deutschlands verteilen können und die bestimmt Früchte tragen werden.

Ein Bericht von unserer Praktikantin Alina Martius.

Kurz zu mir: Ich studiere im vierten Semester Philosophie-Künste-Medien an der Universität Hildesheim und mache im Moment während meiner Semesterferien ein sechswöchiges Praktikum in der PR-Abteilung der Bundesakademie. Leider ist meine Zeit hier schon fast vorbei. Ich konnte wahnsinnig viele Erfahrungen machen, interessante Leute kennen lernen und in einer äußerst freundlichen sowie offenen Atmosphäre arbeiten. Vielen Dank dafür an die netten Kollegen_innen, Dozenten_innen und Kursteilnehmer_innen.

Übrigens ist die Universität Hildesheim Kooperationspartner der Bundesakademie. Daher mein Tipp: Studierende können ausgesuchte Weiterbildungsangebote kostenlos nutzen. ;-)

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