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Allein unter Künstlern – Erfahrungen und Erkenntnisse

14.09.2015

Partizipation – was ist das eigentlich? Nur ein Modewort oder steckt mehr dahinter? Diese Fragen wurden im Rahmen der Tagung »Anstecken! Das Künstlerische in der kulturellen Bildung« in einem von vier Laboren gestellt, welches von der Kulturwissenschaftlerin Melanie Hinz angeleitet wurde.

Zusammen mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen künstlerischer und kulturvermittelnder Tätigkeit habe ich zwei Tage zum Thema Partizipation geforscht und konnte über Gestaltungsräume und Grenzen dieses Begriffs reflektieren. Durch eine erste praktische Übung, bei der sich die Teilnehmenden jeweils zu zweit intensiv in den Blick nehmen sollten, wurde ein wichtiges Element von Partizipation schnell deutlich: Wahrnehmung. Wirklich wahrzunehmen bedeutet, sein Gegenüber nicht nur zu registrieren, sondern es anzuerkennen und wertzuschätzen. Schon durch einen Blickwechsel wird eine soziale Gemeinschaft hergestellt, die ein besonderes Kollektiv schafft, in der eine individuelle Begegnungsstiftung ermöglicht wird. Was gebe ich, was nehme ich? Wie werden soziale Gruppen wahrgenommen und wie können diese integriert werden? Durch die Übung wurde zudem deutlich, dass durch einen intensiven Blick kurzzeitig hierarchische Strukturen ausgesetzt werden können, da man sich auf Augenhöhe begegnet – und das eben nicht nur im metaphorischen Sinn.

Die Frage war dann, was Partizipation für die künstlerische Arbeit bedeutet und wie diese umgesetzt werden kann: Was sind Parameter für die künstlerische Leitung, die grundsätzlich offen sein möchte? Was sind Rahmenbedingungen für eine partizipative Arbeit? Was sind Grenzen, die es dabei zu hinterfragen gilt? Ich*, die nicht im direkten Sinn im künstlerischen Bereich arbeitet, habe einige Grenzen der Partizipation in diesem Zusammenhang kennengelernt, denn auch in einer Arbeitsgruppe zur Teilhabe gibt es Gruppenprozesse und Dynamiken, die unbewusst geschehen. Unterschiedliche Wissensvorräte und Erfahrungen bringen unterschiedliche Möglichkeiten der Partizipation mit sich. So sollte in Kleingruppen eine »lecture performance« entwickelt werden, durch die das Laborthema performativ und experimentell den anderen Teilnehmenden präsentiert werden sollte. So konnten diejenigen, die im Bereich der Theaterpädagogik arbeiten, auf ihre Erfahrung zurückgreifen, also auch darauf, wie Inhalte in Kombination mit Bewegungen vermittelt werden können – was durchaus beeindruckend war! Dabei wurde der Begriff Partizipation spielerisch auseinandergenommen und schnell zur »Paaartyzipation« und zum »Partizip Präsens… oder doch Partizip Perfekt?« »Lecture Performances« stehen zwischen inhaltlicher Vermittlung und künstlerischer Darstellung und haben bei mir einen starken Eindruck hinterlassen. Da ich später auch einmal mit der Vermittlung von (Fach-)Wissen zu tun haben werde, ist mir diese Art von Transfer als sehr nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Akademische Vermittlungspraxis kann viel von der künstlerischen lernen, da sie – anders als im Wissenschaftsbetrieb – mehrere Sinne gleichzeitig anspricht und Inhalte durch mehrere Kanäle transportiert werden. Auch wie Inhalte erschlossen werden – nämlich durch Ausprobieren, Impulsen geben und bekommen – fand ich in diesem Zusammenhang sehr erkenntnisfördernd.

Partizipation ist also viel mehr als nur ein Modewort: Partizipation meint Teilhabe auf Augenhöhe und bedeutet, Gestaltungsräume in einem relativ fixen Rahmen zu eröffnen. Diese Erkenntnis sehe ich als essenziell an, jedoch eben nicht nur im Bereich von künstlerischer Tätigkeit, sondern vor allem auch in der alltäglichen Praxis innerhalb jeglicher sozialer Gemeinschaften. Diese inhaltliche Auseinandersetzung und die daraus resultierende Möglichkeit, über meine begrifflichen und praktischen Grenzen hinaus zu reflektieren, halte ich für einen tollen Start meines zweimonatigen Praktikums in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel und freue mich schon auf weitere Erfahrungen dieser Art!

*Ich bin Kathrin Teichmann, 26 Jahre alt und die nächsten zwei Monate werde ich als Praktikantin in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel tätig sein. An der TU Braunschweig studiere ich den Master »Kultur der technisch-wissenschaftlichen Welt«, welcher aus Geistes- und Technikwissenschaften besteht und die Studierenden dazu ausbilden soll, zwischen beiden Wissenschaften zu vermitteln. Zuvor habe ich meinen Bachelor in Romanistik und Kommunikationswissenschaft gemacht. Meine Vorlieben sind also Sprachen und das Sammeln neuer Erfahrungen in unterschiedlichen kulturellen Bereichen. Ich denke, damit bin ich in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung gut aufgehoben und bin schon sehr gespannt, die zahlreichen Fortbildungsmöglichkeiten für die verschiedenen Multiplikator_innen kennenzulernen!

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