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Start für ein neues Format: das KulturCamp

10.09.2013

Es war ein Experiment. Mit dem KulturCamp hat die Bundesakademie ein neues Format ausprobiert. Angeknüpft an das Jahresthema "Qualität(en) in der Kulturellen Bildung" stand das Geschehen in der Bundesakademie vom Ende August unter der Motto "Qualität ist Bewegung". Dazu könnte man eine Tagung abhalten. Muss man aber nicht. Das KulturCamp kommt ganz ohne förmliche Begrüßung und Erklärungen des Zusammenkommens aus, statt einer Vorstellungsrunde wurde mit Raumwahrnehmung und Übungen aus den Darstellenden Künsten der Gruppenzusammenhalt gestärkt. Und so hieß es gleich zu Beginn "rein ins Vergnügen": Das KulturCamp begann mit einer Performance des Schweizer Künstlerinnen-Kollektivs Les Reines Prochaines. In einer abstrakten Erzählung nahmen die beiden Performerinnen Muda Mathis und Sus Zwick die Begriffe Qualität und Bewegung auseinander und eröffneten verschiedene mit ihnen verbundene Assoziationsräume. Es ging um Leistung, Stillstand, Widerstand, chinesische Großmütter und vieles andere. Zwischen den Sequenzen aus Lecture Performance und Bewegung blieben den "Campern" eigene Interpretationsspielräume, um die Begriffe zu verbinden und zu füllen. Damit war das Prinzip des gesamten KulturCamps eingeführt, wie eine Teilnehmerin zum Abschluss richtig bemerkte.  Die Breite der gewählten Thematik spiegelte sich in unterschiedlichsten Workshops wieder. Sie bildeten die Pfeiler des KulturCamps und ließen - wie die Eröffnungsperformance - Freiraum, die gebotenen Inhalte miteinander zu verbinden und mit eigenen Kontexten zu füllen.
Christine Biehler vermittelte wie mit einfachsten Mitteln und vor allem mit Hilfe des Körpers Skulpturen kreiert werden können. Um sich dem Thema zu nähern, schafften die Teilnehmenden zunächst Bilder mit Stühlen und einem Tisch. Außerdem wurde erprobt wie die Veränderung der Kleidung auch ein anderes Bild der eigenen Person erschaffen kann. Schließlich wurde mit Mülltüten experimentiert, die mit Luft gefüllt waren. An eine Person geheftet konnte so ein ganz eigenes Wesen entstehen.

Zum Abschluss inszenierten sich die in Rot gekleideten Teilnehmenden gegenseitig als Fleck in der Landschaft. 

 

KulturCamp  

KulturCamp  

Der Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar zeigte, wie das Gehen als Kunst begriffen werden kann und leitete so einen Gang durch Wolfenbüttel an. Schweigend genossen die Teilnehmenden zunächst einen Spaziergang durch den Park, auf dem sie ihre Eindrücke sammelten. Das Kontrastprogramm folgte in einem zweiten Teil entlang einer Hauptverkehrsstraße durch das Industriegebiet, vorbei am Finanzamt, Casinos und weiteren Institutionen. Hierbei folgten die Spaziergangsforscher einem Transparent mit dem Spruch "Und da fühl ich, dass das Leben ein Gefängnis ist", das die Wahrnehmung im Folgenden prägte. Im letzten Teil des Spaziergangs gelangten die Teilnehmenden zu einer Kirche im Zentrum. Dort liefen sie die Kirchmauer im Gänsemarsch ab und zeichneten so mit ihrem Körper den Grundriss der Kirche nach - vielleicht eine Parallele zum ersten Workshop.

KulturCamp  

KulturCamp  

Im letzten Workshop ging es um Gaming. Christoph Deeg hat fast alle seine Spielkonsolen mitgebracht und so konnten die Teilnehmenden verschiedenste Computerspiele ausprobieren. Auch hier war der eigene Körper und die Raumwahrnehmung Grundvoraussetzung für die Teilnahme. Ein Autorennen musste mit dem eigenen Körper gesteuert werden, verschiedene Bildschirme mussten kontrolliert werden, um das Spiel zu steuern oder der virtuelle Spielraum musste erst durch eigene Aktionen geschaffen werden.

KulturCamp   

Ein Grillabend rundete den ereignisreichen Workshop-Tag ab - ganz in Camper-Manier - und stärkte für den letzten KulturCamp-Tag, der nicht weniger vielseitig werden sollte. Der Dienstag stand im Zeichen des "Call for Actions", den die Bundesakademie im Vorfeld des KulturCamps iniziiert hatte [Link? http://www.bundesakademie.de/programm/kulturmanagement-politik-wissenschaft/do/veranstaltung_details/ku16-13/]. Gesucht waren Performances, Projektvorstellungen und Ähnliches von Künstlern und Kulturvermittlern. Aus den eingegangenen Bewerbungen waren vier Projekte ausgewählt worden, die die Camp-Teilnehmenden in Bewegung brachten. So reflektierten Pamela Goroncy und  Jessica Petraccaro-Goertsches in ihrer Performance das Spannungsfeld zwischen Pädagogik und Wissenswiederkäuer, in dem sich Kunstvermittler befinden. Sie appellierten für eine publikumsorientierte Vermittlung von Kunst. Barbara Geilich machte mit ihrem "Projekt HÖR Gang" auf unser Gehör aufmerksam und lenkte die Wahrnehmung auf diesen Sinn. Verstärkt widmeten sich die Teilnehmenden dabei auch der Frage, wie Geräusche schriftlich festgehalten werden oder kartografiert können. Luise Prehm brachte das KulturCamp schließlich mit T'ai Chi Kineo in Bewegung und gleichzeitig zur Ruhe. In einem kurzen Exkurs in diese Bewegungskunst lehrte sie das ewige Prinzip von Geben und Nehmen. Abschließend gab Dörte Redmann eine "Kostprobe" ihres neuen Projekts und zeigte, wie ältere Menschen tänzerisch und mit Hilfe von Alltagsbewegungen in Bewegung kommen können. 

KulturCamp 

KulturCamp  

Man kann sagen, dass die Teilnehmenden von so vielen diversen Eindrücken bewegt nach Hause gegangen sind. Still gesessen hat beim KulturCamp jedenfalls niemand.

Das kommende KulturCamp wird im nächsten Jahr unter dem Motto "Grenzkontrolle" stehen.

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