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Sprechen als ästhetische Form des Fremdgehens

05.03.2014

Prof. Rolf Thiele ist seit 19 Jahren Dozent im Bereich Bildende Kunst an der Bundesakademie. Bis 2007 lehrte er als Kunstprofessor an der Hochschule für Künste Bremen. Er lebt und arbeitet in Galan/Frankreich. Zurzeit ist er in Wolfenbüttel in Klausur mit einer Künstlerinnengruppe, die er seit Jahren begleitet.



Warum kommen Sie immer wieder?
Wolfenbüttel ist für mich besonders, weil die Teilnehmer_innen so unterschiedlich sind. Hier treffe ich auf Menschen im Alter von 25 bis 70 Jahren mit verschiedenen sozialen Hintergründen und Bildungsgraden. Dadurch entsteht eine gute Durchmischung und es geht viel offener zu als zum Beispiel im Hochschulbetrieb. Die Teilnehmer_innen haben kein vordefiniertes Interesse, sie arbeiten nicht so zweck- und zielgerichtet. Hier werden Situationen geschaffen, in denen wir mit Kunst in Berührung kommen und in denen Kunst passieren kann, aber nicht muss.

Was hat sich verändert über die Jahre?
Nicht viel. Die Inhalte haben sich geändert, aber die Form hat sich bewährt. Ich bin ein Bildender Künstler, aber ich spreche. Sprechen ist für mich eine ästhetische Form der Praxis des Fremdgehens. Kunst bringt zur Sprache! Wir benutzen Sprache, um Kunst zu interpretieren und zu erfassen.

Ich schone meine Teilnehmer_innen nicht, ich überfordere sie. Diese Überforderung wird zur Anforderung und damit zur Aufforderung an die Teilnehmer_innen, sich weiterzuentwickeln.

Haben Sie so etwas wie Feierabend?
Ein Künstler ist immer im Dienst. Es ist die Durchdringung der eigenen Existenz. Kunst und Leben.

Sie arbeiten schon seit einigen Jahren an einer gemeinsamen Publikation mit der Bundesakademie. Dürfen wir uns schon ein Veröffentlichungsdatum vormerken?
Das ist ein Vieljahresprojekt. (Rolf Thiele schmunzelt)
Es hat einige Katastrophen erlebt, aber was lange währt, wird endlich gut.



„Eigentlich ist er fertig, aber er kann nicht loslassen“, wirft Sabine Baumann, Leiterin des Programmbereiches Bildende Kunst ein. „Du kannst es doch als Zwischenstand herausgeben“, schlägt sie vor: „Es ist noch nicht fertig, aber ich höre auf.“

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Kommentare

Gamma Thesa Terheyden schrieb am: 03.04.2014 00:54

Mehr... Das Thema interessiert mich. Fremdgehen- als ästhetisches Gebilde - Gamma

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