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Literaturpremiere mit John von Düffel

11.03.2014

John von Düffel kehrt immer wieder zur Bundesakademie zurück. Er gibt Literaturseminare und liest aus seinen aktuellen Werken. Am Samstag las er im gut besuchten Mühlenfoyer »Die Trauerrednerin« aus seinem neuesten Buch »Wassererzählungen«. Eine Premiere!


John von Düffel liest zuerst »Die Trauerrednerin« und dann »Ostsee«

Eigentlich wählt der Schriftsteller, der sich gerade auf Lesereise befindet, andere Erzählungen aus. Aber für das Wolfenbütteler Publikum entschied er sich für »Die Trauerrednerin« als Ergänzung zu seinem Seminar. In dem beschäftigten sich über das Wochenende 16 Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit der Frage, wie man literarisch ansprechende Geschichten über das Sterben verfasst. Keine leichte Aufgabe, denn genau dieses Thema birgt die Gefahr, »kitschig triefend« und wenig authentisch geschrieben zu wirken. Außerdem ist der Tod für viele ein Angstthema, wenn es sich um den eigenen Tod oder den geliebter Menschen handelt. Umso begeisterter war John von Düffel vom hohen schriftstellerischen Niveau seiner Teilnehmer und ihrer Professionalität im Umgang miteinander. Das ist besonders bei Schriftstellern wichtig, denn die sind sehr verletzlich, wenn sie ihre Werke zum ersten Mal vorstellen.

Auch für den erfahrenen Autor und Dramaturg John von Düffel selbst ist es nicht immer einfach, die Distanz zu wahren. Bei einigen emotionalen Textstellen muss er sich durchaus mit kleinen Tricks behelfen, um seine Gefühle unter Kontrolle zu behalten, verriet er seinem Publikum in einem Interview, das Literaturprogrammleiter Olaf Kutzmutz mit ihm führte. So schreibt von Düffel an besonders sensible Stellen im Manuskript »BROT«, das helfe ihm.


John von Düffel stellt sich auch den harten Fragen von Olaf Kutzmutz

Auf die Frage, wie er sterben möchte, gab er eine zweigeteilte Antwort. Bevor er sich mit dem Tod intensiv beschäftigt hatte, dachte John von Düffel, dass er im Wasser sterben würde. So sehr sei Wasser sein Element, dass es ihm am natürlichsten vorkam. Heute aber wünsche er sich, im Kreise seiner Familie gehen zu dürfen.

Für »Die Trauerrednerin« nahm John von Düffel die Perspektive einer Tochter ein, die ihren kranken Vater beim Sterben im Krankenhaus begleitet. Es handelt sich um ein kompliziertes Vater-Tochter-Verhältnis, denn der Vater ist ein von Rachgier und Missgunst geprägter alter Mann. Und dennoch hatte die Tochter ihn immer verteidigt. In der Erzählung geht es nicht nur darum, wie es ist, ein Elternteil zu verlieren, sondern auch um eine Form von Vergebung und Milde gegenüber einem Sterbenden. Denn in dem Moment des Verlierens werden uns auch schwierige Menschen nahbar und die meisten Konflikte treten in den Hintergrund.

John von Düffel setzt in den kommenden Wochen seine Leserreise fort. Nächste Stationen: die Leipziger Buchmesse, Neuruppin und Potsdam.

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