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Blog der Bundesakademie Wolfenbüttel -


17. Juni 2013

Seine eigenen Spuren finden: Symposium “Ästhetische Feldforschung an Museen”

Übersee-Museum Bremen. Wir, ein dreiköpfiges Grüppchen, begeben uns auf die Suche nach einem Ort für unser Wort. Denn unsere Aufgabe lautet „ein Wort für den Ort“ zu finden. Wir befinden uns im Workshop „Guerillamethoden im Museum“ im Rahmen des Symposiums „Ästhetische Feldforschung an Museen“. Es geht um Museumsgraffiti. Ein Wort, das wir alle vertreten können. Erste Assoziationen zum Museum, seiner Atmosphäre, zu den Ausstellungsobjekten und dem Ausstellungsabschnitt fliegen durch die Runde. Wir suchen ein Wort und irgendwann fällt etwas, worauf wir uns einigen können. So entstehen wieder neue Assoziationen, wie sich das Wort mit der sich uns langsam erschließenden Umgebung verknüpft. Mit gehäkelten Kordeln und Wolle legen wir also ein Wort, um den Ort zu beschreiben. Nächster Verhandlungspunkt: typografische Gestaltung.

Neben einer meditierenden Statue wurde mit Wolle das Wort "Ruhe" gelegt.

Handlungsaufforderung im Museum und Atmosphäre zugleich…Ruhe (bitte).

Ästhetische Feldforschung als museumspädagogische Methode versteht den Museumsbesucher als aktiven Nutzer der Ausstellungen. Das Übersee-Museum in Bremen ist ein starkes Beispiel dafür, wie Museen neue Formate der Vermittlung erproben. Seit acht Jahren beschäftigt sich das Übersee-Museum durch sein Projekt FIES (“Forschen in eigener Sache”) nun mit Ästhetischer Feldforschung. Nach dem Symposium im Februar 2011 bildete das nunmehr zweite Symposium am 7. Juni einen Schlusspunkt in der Projektgeschichte und der Reflexion der angewandten Vermittlungsmethode.

So haben beispielsweise Schüler der Klasse 9b der Oberschule Findorff in Bremen eine “Tierische Spurensuche” entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Rallye, die die Schüler erarbeitet haben. Im Klassenverband mussten sie entscheiden, wo ihre Interessensschwerpunkte liegen, um dann in Einzelgruppen zu Unterkapiteln zu forschen – an den Ausstellungsobjekten als auch mit Hilfe der Museumsmitarbeiter. Das Museum fungiert somit als Themengeber und Wissensspeicher zugleich. So entstand ein Heft mit Rätseln rund um die anhand der eigenen Fragestellung ausgewählten Objekte. 30 Stunden arbeiten die Teilnehmenden in so einem Projekthalbjahr in den Räumen des Übersee-Museums. Am Ende des Prozesses steht immer eine Präsentation. Alle im Übersee-Museum durchgeführten Projekte werden durch eine Jury geehrt, wodurch die Arbeit der Jugendlichen vor allem in ihren Augen noch mal aufgewertet wird.

Was genau Ästhetische Feldforschung meint, erklärte Prof. Dr. Andreas Brenne von der Universität Osnabrück:
In erster Linie ist Künstlerische Feldforschung eine Strategie, die individuelle Anschlüsse an die Umwelt ermöglicht. Seit Ende der 70er Jahre wird die Methode von Lili Fischer geprägt, zu deren Meisterschüler Andreas Brenne ernannt worden ist. Lili Fischer sucht die Konfrontation zwischen Kunst und Leben. Nach ihrem Ansatz teilt sich Künstlerische Feldforschung in drei Elemente: Feldbegegnung, Aufarbeitung und Präsentation.

  1. Die Feldbegegnung besteht in  der Initiation von ästhetischen Erfahrungen im Forschungsfeld. Als Feld wird dabei ein Themenkreis mit Bezug zur Lebenswelt bezeichnet. In der Begegnung mit dem Feld sollen verschiedene Dimensionen ästhetischen Verhaltens thematisiert werden, um sich mit ihm auseinanderzusetzen. Alle Sinne werden angesprochen. Die Feldbegegnung ist auch dazu da, dem Feld Material zu entnehmen, zu sammeln und gleichzeitig Formen der Dokumentation für die Begegnung zu praktizieren.
  2. In der Phase der Aufarbeitung wird das Material gesichtet und weiter vervollständigt. Indem eine Struktur in die vorgefundenen Materialien gebracht wird, entsteht eine Sammlung. Auf der Basis des erhobenen Materials sollen Produkte entstehen, die den Erfahrungsprozess im Feld widerspiegeln. Zusatzinformationen werden herangezogen, um bisherige Erfahrungen und vorhandenes Wissen in das Material der Feldbegegnung zu integrieren. So konstruiert der Forschende eine erweiterte Vorstellung von Wirklichkeit. Das Ziel der künstlerischen Feldforschung ist es also durch die eigenen Artefakte, weitere Informationen und mit Hilfe der Kunst, der ästhetischen Komponente, eigene Modelle der Wirklichkeit zu entwickeln.
  3. Die Präsentation ist unerlässlich und soll eine Übersicht über den Verlauf der Arbeit schaffen. Sie ermöglicht eine weitere Erfahrungsbildung durch den Austausch mit den Zuschauern. Dabei können und sollen sich weitere Perspektiven für die Fortführung der Forschung und der Weiterentwicklung der ästhetischen Strategien und Inhalte entwickeln.

In diesem Sinne sind die Präsentationen immer Zwischenstände, sind die Ergebnisse immer als Stand eines Prozesses zu sehen, weswegen die einzelnen Elemente wohl auch tatsächlich als Elemente und nicht als Prozessphasen zu verstehen sind.
Der “Werk”, das aus der Forschung resultiert, ist aber von höchster Wichtigkeit. Das zeigt beispielsweise ihre Präsentation zur Schnakenforschung „Testflug der Schnaken“. (weiterlesen …)

10. Juni 2013

1. Kinder & Jugend Tanz Gipfel Baden-Württemberg

Vom 5. bis 6. Juli nimmt die Direktorin der Bundesakademie, Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss am 1. Kinder & Jugend Tanz Gipfel Baden-Württemberg in Ulm teil.

Mit dem 1. Kinder und Jugend TanzGipfel Baden-Württemberg wird erstmals auf Landesebene die zeitgenössische Vermittlung von Tanz als wichtiger Bestandteil Kultureller Bildung beleuchtet und in seiner Vielfalt mit Expert_innen aus Deutschland und Europa diskutiert, präsentiert und ausgetauscht.

Das zweitägige Symposium versteht sich als Forum und Plattform, um Erfahrungen in der Tanzkunst mit Kindern und Jugendlichen auszutauschen, neue Impulse für die künstlerische und pädagogische Arbeit zu erhalten und um verschiedene theoretische Ansätze kennen zu lernen.

Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss spricht über „Eine Art des Denkens“ – Über die (Nicht-) Wirkungen des Tanzes:
Trotz einer verstärkten kulturpolitischen Förderung des Tanzes im Bereich der Kulturellen Bildung in Deutschland in den letzten Jahren ist der Tanz z.B. im Vergleich zur Musik eine „kleine“ Sparte. Auch in den Schulen hat sich Tanz noch nicht als reguläres Unterrichtsfach durchgesetzt, obwohl der tänzerischen Bewegung von wissenschaftlicher Seite viele positive Wirkungen bestätigt werden. Warum sollten wir tanzen und wie sollten wir nicht tanzen? Reinwand-Weiss liefert Überlegungen und Gedanken zu einer kritischen Betrachtung der Potentiale von Tanz.

Zum Programm. http://bit.ly/11tYOmN

7. Juni 2013

KulturCamp 2013 – Call for Actions

Das Jahresthema der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel lautet 2013 Qualität(en) in der Kulturellen Bildung. Zu diesem Thema veranstalten wir von 25. – 27. August 2013 das KulturCamp, eine Veranstaltung, bei der wir geistig, körperlich und emotional in Bewegung kommen möchten, um der Qualität in der Kulturvermittlung und Kulturellen Bildung künstlerisch auf den Grund zu gehen. In verschiedenen Workshops und Aktionen versuchen wir uns auf unterschiedlichste Weise dem Thema zu nähern.

Das KulturCamp richtet sich an alle Kulturschaffenden und Kulturvermittler_innen, die die ba•wolfenbüttel bereits kennen, aber auch an Interessierte, welche sich auf ein ungewohntes Veranstaltungsformat zum Thema Qualität ist Bewegung einlassen möchten. Das Camp beginnt mit einer Performance zum Thema von Muda Mathis und Sus Zwick, Basel, beide gehören der Performanceband Les Reines Prochaines an, dann erwarten Sie im weiteren Verlauf des Camps von Christine Biehler, Christoph Deeg und Bertram Weisshaar initiierte künstlerische Bewegungen in der Natur, in der Stadt, im virtuellen Raum, auf dem Parkplatz, auf dem Dach oder an anderen ungewöhnlichen Orten mit ungewohnten künstlerischen Inhalten.

Call for Actions
Im Rahmen eines Call for Action laden wir junge Studierende, Künstler_innen, Kulturschaffende und Kulturvermittler_innen ein, ihre Arbeiten und Gedanken zum Thema Qualität ist Bewegung auf künstlerische Art und Weise zu präsentieren und in Form von z.B. Performances, Lesungen, Ausstellungen und/oder Musik zur Diskussion zu stellen und so mit bereits erfahrenen Künstler_innen und Praxisfachleuten in den Austausch zu kommen.

Bitte skizzieren Sie bis zum 30. Juni 2013 Ihre Ideen auf ca. einer Seite und teilen Sie uns Ihre Motivation mit, am KulturCamp teilzunehmen. Schicken Sie diese Bewerbung an Andrea Ehlert unter andrea.ehlert@bundesakademie.de

Diejenigen, die von uns eingeladen werden, sich und ihre Ideen vorzustellen, können kostenlos am KulturCamp teilnehmen.

Bitte leiten Sie gerne diese Ausschreibung an Interessierte weiter!

6. Juni 2013

3 Fragen an Matthias Kalle

6. Obergeschoss mitten in Berlin – ein grandioser Blick. Zumindest bei Konferenzen hat Matthias Kalle diese Aussicht, ansonsten arbeitet er in seiner Rücksicht-auf-die Kollegen-Raucher-Klause. Kalle gehört neben Christoph Amend zum Leitungsduo des ZEIT-Magazins und sorgt mit seinem Team dafür, dass das Magazin jede Woche so gut aussieht, wie es aussieht. Er kenne keinen Stress, sagt Kalle, trotz der vielen Dinge, um die er sich täglich kümmern muss. Ob es daran liegt, dass er sein Smartphone regelmäßig vom frühen Abend bis zum nächsten Morgen ausschaltet? Wenn er neben Arbeit und Familie Ruhe zum Schreiben findet, entstehen so leichtfüßige Bücher wie „Normal hält das“, das sich um „Hausbau und andere Katastrophen“ dreht. Über den Dächern von Berlin stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Kopf des ZEIT-Magazins: Matthias Kalle.

Welche Themen packen Sie beim ZEIT-Magazin nicht an?

Anfangs ist alles möglich. Wir versuchen in der Redaktion ein Klima zu schaffen, in dem jeder jedes Thema auf den Tisch hauen kann. Dann reden wir gemeinsam darüber. Übrigens scheitern am Geschmack viel mehr Themen als an der Angst, wir könnten uns an einem heißen Eisen die Finger verbrennen. Wir haben vor einem halben Jahr eine Titelgeschichte gemacht, in der Heike Faller einen Pädophilen über Monate begleitet hat – der Mann machte eine Therapie, eines der Ziele war, dass er seiner Schwester erzählen konnte, was mit ihm los ist. Fallers Geschichte war getragen von Verständnis und von Empathie – zwei Dinge, mit denen manche Menschen bei diesem Thema nicht unbedingt zurechtkommen; die Geschichte war auch in der Redaktion nicht unumstritten. Aber es war wichtig, dass wir sie gemacht haben, und Heike Faller hat dafür den Henri-Nannen-Preis gewonnen. Um welches Thema es auch immer geht: Ich halte für unerlässlich, eine plausible und gute Geschichte zu erzählen, die unsere Leser unterhält, informiert, ja zum Nachdenken bringt.

Was unterscheidet journalistisches vom literarischen Schreiben?

Unlängst gab es einmal mehr eine Feuilleton-Debatte über das Ende des Romans. Die spannendsten Bücher seien nicht in der Fiktion angesiedelt, sondern arbeiteten sich an realen Gegebenheiten ab, hieß es. Na ja. Aber was bedeutet das für journalistisches Schreiben? Was ein Journalist beschreibt, muss passiert sein, Quellen und Akteure seiner Texte müssen leibhaftige Menschen sein. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied zur fiktionalen Literatur. Der journalistische Text muss glaubwürdig, er muss wahr sein. Im Aufbau und stilistisch kann er sich jedoch an literarische Vorbilder anlehnen. So fühlt sich der Leser von einer Erwin-Koch-Reportage vielleicht genauso gepackt wie von einer Kurzgeschichte Peter Stamms.

Welche Leidenschaft haben Sie neben dem Journalismus?

Dann eben doch: die Literatur. Zum Schreiben komme ich als stellvertretender Chefredakteur leider nur selten. Der Preis, den ich für den Aufstieg in der Hierarchie bezahlt habe, ist eine verschwindend geringe Präsenz mit eigenen Magazingeschichten. Ein Text pro Jahr vielleicht. Aber warum habe ich mir irgendwann diesen Beruf ausgesucht? Nicht vor allem um ein Blatt zu machen, davon hat man als junger Mensch ja keine Ahnung, sondern um zu schreiben. Ich mache das Magazin gern, freue mich jedoch über die Momente, an denen ich an einem Roman arbeite, der möglicherweise niemals erscheint. Eine halbe Romanseite am Morgen, bevor mich der journalistische Alltag wieder einfängt – das ist schön.

Solo-Konferenz: Matthias Kalle über den Dächern von Berlin.

4. Juni 2013

Herzlich willkommen: Die Neue in der Bundesakademie.

Ab Juni 2013 wird Kerstin Hädrich die Leitung des Programmbereichs Musik an der Bundes-akademie Wolfenbüttel von ihrem Vorgänger Markus Lüdke übernehmen, der von 1999 bis 2013 verantwortlich für diesen Programmbereich war. Die Bundesakademie Wolfenbüttel verliert damit einen hoch engagierten und sehr erfolgreichen Programmgestalter, Chorleiter und Musiker, der sich große Verdienste um die Qualität der Fort- und Weiterbildung erwor-ben hat. Die Bundesakademie hat Markus Lüdke bereits im Februar mit Bedauern und gro-ßem Dank für seine Arbeit der vergangenen Jahre in eine neue verantwortungsvolle Aufgabe verabschiedet.

Kerstin Hädrich

Mit Kerstin Hädrich kommt eine erfahrene Musikwissenschaftlerin an die Bundesakademie, die zuletzt am Nordkolleg Rendsburg als Fachreferentin in vergleichbarer Weise für die stra-tegische Entwicklung des Fachbereichs zuständig war. Unter vielem anderen hat sie auch dort Konzepte für Seminare, Workshops sowie Fort- und Weiterbildungen für Pädagogen, Profi-musiker, Musiknachwuchs, Laien und Senioren entwickelt, hat öffentliche und private Pro-jektmittel eingeworben, sowie erfolgreich mit Kooperationspartnern verhandelt.
“Wir sind glücklich darüber, dass mit Frau Hädrich eine so vielseitig qualifizierte und berufs-erfahrene Programmleiterin gefunden wurde. Mit ihr wird der vorhandene hohe Qualitätsstan-dard gehalten und mit neuen Ideen aus ihrer individuellen Berufs- und Lebenserfahrung be-reichert werden – da bin ich mir sicher. Wir heißen sie herzlich in Wolfenbüttel willkom-men!“, so die Direktorin der Bundesakademie Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss. Frau Hädrich selbst war sehr gerne an ihrer vorherigen Arbeitsstelle tätig, weshalb sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge von Kiel nach Wolfenbüttel zieht.

Markus Lüdke

30. Mai 2013

Alles Gute kommt von oben?

Hochwasser an Rosenwall und Schiffwall

Nun ja, diesem Sprichwort wird in diesen Tagen kaum jemand aus unserer Region vorbehaltlos zustimmen. Wasser ist lebenswichtig, aber zuviel davon in zu kurzer Zeit richtet Schaden an. So jetzt auch an den Gebäuden der Bundesakademie Wolfenbüttel.
Die Oker hat sich mittlerweile bis zum Gästehaus Schünemanns Mühle ausgebreitet und platscht an die Hausmauer wie die Kanäle in Venedig – dass dieser Teil Wolfenbüttels schon lange als „Klein-Venedig“ bezeichnet wird, macht die Sache nicht angenehmer. Einen Keller, der volllaufen kann, gibt es im großen Gebäude nicht. Anders im Nebengebäude am Schiffwall, dort steht der Keller einen halben Meter unter Wasser und die Pumpen laufen rund um die Uhr, um den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Kreislauf zum Fenster raus, von unten wieder rein

Auch wenn nicht wirklich Wertvolles im Keller untergebracht ist, feuchte Böden und Wände in beiden Gebäuden werden noch lange Sorgen bereiten und Kosten für die Trocknung verursachen. Gemeinsam mit allen Betroffenen in Wolfenbüttel und anderswo hoffen wir auf ein Einsehen des Wettergottes, er möge den Wasserhahn über dieser Region für eine Weile abstellen.

Okercabana im Mai

3 Fragen an Sandra Lüpkes

Juist war für sie kein Urlaubsort, sondern für viele Jahre Heimat. Kein Wunder, dass manche Krimis von Sandra Lüpkes an der Nordsee spielen. Jetzt lebt Lüpkes in Münster und hat bislang acht Romane ihrer Profilerin Wencke Tydmers gewidmet. (www.sandraluepkes.de) Neben den Krimis hat ihr Trennungsratgeber „Ich verlasse Dich“ breites öffentiches Interesse gefunden. In ihrem neuen Sachbuch analysiert sie gemeinsam mit Monika Wittblum miese Charaktere unter dem kecken Titel „Woran erkennt man ein Arschloch?“ Sandra Lüpkes war schon mehrfach Dozentin der Akademie, ab und zu auch gemeinsam mit ihrem Mann und Krimi-Autor Jürgen Kehrer. Am Rande der Krimi-Werkstatt „L – eine Stadt sucht einen Mörder“ stellte ihr Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Krimiautorin Sandra Lüpkes.

Wobei entspannst Du Dich am besten?

Bei körperlicher Arbeit, zum Beispiel beim Garten umgraben oder Terrassen bauen. Ich bin bei uns zu Hause die Handwerkerin, die mit Schraubenzieher und Bohrer umzugehen weiß.

Welche Rituale des Vorlesens und Kritisierens gibt es bei einem Krimipaar wie Jürgen Kehrer und Dir?

Bei Romanen geben wir uns die erste Fassung zu lesen – und wir sind dabei wahrlich kritische, ja pingelige Leser! Damit können wir aber entspannt umgehen, weil wir beide davon profitieren und durch solche Vorablektüre ein besseres Buch entsteht.

Der Apple und ich: Schreibzeit im Schloss.

Was schätzt Du an Jürgen Kehrer als Autor am meisten?

Vor allem die Leichtigkeit, mit der er Ironie, Ernsthaftigkeit und Information in seinen Texten verbindet.

3 Fragen an Jürgen Kehrer

In Münster sei er weltberühmt, sagt Jürgen Kehrer augenzwinkernd. Solcher Ruhm geht vor allem auf Georg Wilsberg zurück, die populärste Figur des Krimi-Autors Kehrer. Achtzehn Romane hat er seinem Privatdetektiv auf den Leib geschrieben, und mit den zahlreichen Wilsbergs im ZDF hat Kehrers Ruhm schon längst die Grenzen seiner Wahlheimat Münster überschritten. Dass Jürgen Kehrer nicht auf Wilsberg festgelegt ist, zeigen seine Sachbücher, historischen Romane und Nicht-Wilsberg-Krimis (www.juergen-kehrer.de). Zuletzt erschien von Kehrer „Münsterland ist abgebrannt“. Regelmäßig lehrt Jürgen Kehrer an der Akademie, mitunter gemeinsam mit seiner Frau und Krimi-Autorin Sandra Lüpkes. Am Rande der Krimi-Werkstatt „L – eine Stadt sucht einen Mörder“ stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Wilsbergs Schöpfer Jürgen Kehrer.

Wenn Du auf Dein Debüt als Schriftsteller „Und die Toten lässt man ruhen“ (1990) zurückblickst, woran denkst Du dann vor allem?

Kürzlich erschienen die ersten drei Wilsbergs in einem Band, und so habe ich auch noch einmal meine frühen Krimis gelesen. Ich hatte, ehrlich gesagt, Bammel davor. Würde ich vielleicht denken: Das kann man doch nicht mehr veröffentlichen? Letztlich gefielen mir die Romane besser, als ich vermutet hatte. Natürlich sind die frühen Krimis auch Zeitdokumente, der Stil unterscheidet sich von meinem Stil heute, aber wen wundert das schon?

Privatdetektiv Georg Wilsberg – ist er eine Gnade oder ein Fluch für Dich?

Wenn ich zwischen Gnade und Fluch wählen muss, dann ist Wilsberg eine Gnade. Es ist toll, wenn sich eine Figur über einen langen Zeitraum hält und nach wie vor so viele Fans hat – sei es als Roman- oder als Filmfigur. Das gelingt einem nur einmal im Leben. Ich finde gut, dass es Wilsberg gibt, obwohl ich gern andere Sachen schreibe, von denen ich hoffe, dass sie neben Wilsberg Erfolg haben. Wilsberg jedenfalls ernährt mich und meine Familie, möge es ihm lange gut gehen.

Krimipaar: Jürgen Kehrer und Sandra Lüpkes.

Was schätzt Du an Sandra Lüpkes als Autorin am meisten?

Ich lese ihre Bücher gern, weil sie spannend sind und ihre Figuren Tiefe besitzen. Und was ich besonders schätze: dass sie nicht auf den immer wieder vorbeirauschenden Zug des Zeitgeistes aufspringt. Das wäre bei ihren Insel-Krimis und dem Küstenkrimi-Boom ein Leichtes gewesen, da hätte sie in Serie gehen können. Wäre Sandra an manchen Stellen trivialer geworden, wäre sie heute vielleicht erfolgreicher. Mir imponiert, dass Sandra dieser Versuchung widerstanden hat.

24. Mai 2013

Aktionstag Kulturelle Bildung: Viel Bewegung im Dortmunder U

Sie tanzten, sprangen, trommelten und performten, sie filmten und „video-tricksten“, sie diskutierten, sahen, hörten und staunten: Am 21. Mai 2013 erlebten beim Aktionstag Kulturelle Bildung im Dortmunder U rund 250 Besucher/innen Kulturelle Bildung live – in all ihren Facetten und mit viel Bewegung.

Vor allem auf dem Vorplatz ging es hoch her: Im Parkour-Workshop sprang man akrobatisch über Matten und Kästen und ein junges Tanz-Ensemble um den Choreographen Chris Greiffenbach zeigte unter dem Motto „Dance Together – Dream Together“ sein Können.

Im parallel stattfindenden Fachprogramm erprobten Multiplikator/innen der Kulturellen Bildung, Erzieher/innen und Lehrer/innen die praktischen Einsatzmöglichkeiten von Tanz, Theater, Literatur und Medien.

Medien, vor allem in ihrer digitalen Ausprägung, standen auch im Mittelpunkt des Fachvortrags und des anschließenden Workshops von Prof. Dr. Franz Josef Röll von der Hochschule Darmstadt. Er zeigte anschaulich auf, wie Jugendliche in der digitalen Welt „multimediale Selbstnarration“ und damit Persönlichkeitsfindung und -bildung betreiben. Auch gab er vielfältige Anregungen, wie in pädagogischen Kontexten das Interesse vieler Jugendlicher an der digital-medialen Selbstdarstellung und kreativen Entfaltung aufgegriffen werden kann.
Podiumsdiskussion am Sonntag auf WDR3

Auch in der abschließende Podiumsdiskussion ging es unter anderem um die Frage nach den Auswirkungen des digitalen Medienwandels auf die Praxis der Kulturellen Bildung. Die Gesprächsrunde mit Kurt Eichler (Kulturbetriebe Dortmund/LKJ NRW), Prof. Dr. Max Fuchs (Akademie Remscheid/BKJ), Staatssekretär Bernd Neuendorf (MFKJKS NRW) und Prof. Dr. Vanessa-Isabelle-Reinwand (ba Wolfenbüttel/Uni Hildesheim) unter der Leitung von Dr. Michael Köhler wurde von WDR3 aufgezeichnet und wird voraussichtlich am Sonntag, 26. Mai 2013, in der Reihe „WDR 3 Forum“ ab 19:05 Uhr ausgestrahlt. Anschließend wird die Sendung als Podcast zum Nachhören angeboten.

Der Aktionstag Kulturelle Bildung war ein Teil der „Internationalen Woche der kulturellen Bildung“, zu der die UNESCO aufgerufen hat, und zugleich ein Beitrag zum Aktionstag „Kultur gut stärken“ des Deutschen Kulturrats. Er wurde gemeinsam von LKJ NRW, BKJ, den Kulturbetrieben der Stadt Dortmund, der U2_Kulturelle Bildung im Dortmunder U, dem Museum Ostwall und dem Hartware MedienKunstVerein veranstaltet und vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Ab 26.5.13 „WDR 3 Forum“ als Podcast: www.wdr.de/radio/home/podcasts/channelausspielung.phtml?channel=forum

14. Mai 2013

Startschuss Website kubi-online.de

Anfang Mai 2013 fand das erste Treffen des Trägerkonsortiums der neu entstehenden Website www.kubi-online.de in der Nachfolge des Ende 2012 erschienenen „Handbuchs Kulturelle Bildung“ statt, das von Hildegard Bockhorst, Vanessa-Isabelle Reinwand und Wolfgang Zacharias im kopaed Verlag in München herausgegeben wurde. Es versammelt über 180 Artikel systematisch gegliedert zur Theorie und Praxis Kultureller Bildung.

Copyright by Th. Reinhardt, pixelio.de

Um das „Handbuch“ aktuell zu halten, soll innerhalb von gut einem Jahr eine Website bis 2016 gefördert vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien entstehen, die aufbauend auf dem Handbuch eine Aktualisierung des Inhaltes, eine Erweiterung des Autorenkreises und der Beiträge sowie eine gezielte Suche und Kommentarfunktionen zu den Fachbeiträgen ermöglicht. Damit richtet sich die Seite an ein auch junges Fachpublikum, das an einem fachlichen und wissenschaftlichen Diskurs über Kulturelle Bildung interessiert ist. In dem dreijährigen Prozess sind begleitende öffentliche Foren geplant, die über die virtuelle Arbeit hinaus das Fachpublikum beteiligen und eine rege Mitarbeit an der Seite gewährleisten sollen. Eine erste Veranstaltung wurde Ende März 2013 erfolgreich mit der Tagung „Handbuch Kulturelle Bildung“ an der Bundesakademie durchgeführt.

Copyright by Alexander Klaus, pixelio.de

Das Trägerkonsortium der entstehenden Website besteht aus den Institutionen

• Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ)
• Universität Hildesheim
• Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel (ba•)
• Akademie Remscheid für Kulturelle Bildung.

Das Trägerkonsortium wird begleitet von einem fachlichen Beirat.