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Blog der Bundesakademie Wolfenbüttel -


Lernprozesse initiieren – das 2. Modul der Qualifizierung KUNSTgeragogik – zweiter Lehrgang

“Älter werden macht Spaß.”

So titelt ein Artikel, aus dem die Teilnehmenden des 2. Lehrgangs KUNSTgeragogik Collagen zu Altersbildern gefertigt haben. Schon zum zweiten Mal beschäftigen sich Teilnehmende aus ganz Deutschland und der Schweiz mit den Rahmenbedingungen und Grundlagen für kulturelle Bildung mit älteren Menschen und setzen sich über die Thematik Alter in verschiedenster Weise auseinander, das die Grundlage ihrer Arbeit bilden wird.

“Über den Tellerrand blicken, anderen Dingen begegnen, vielleicht auch gleichen und darüber ins Gespräch kommen”

Rupprecht Matthies, Dozent der Teilgruppe Bildende Kunst, will genau das mit seinen Projekten erreichen. Mit “Wilhelmsburger Kissen und Fahnen” gibt er sonst vor allem Migranten und Stadtteilbewohnern die Möglichkeit eben diese Objekte zu gestalten und mit ihrer Handschrift und Sprache zu versehen. Die eigene Sprache weckt Gefühle und gibt die Möglichkeit, den eigenen kulturellen Hintergrund mit ins Spiel zu bringen. Für ältere Menschen bedeutet die Materialwahl “Stoff” aber auch, dass sie ihre vorhandenen Fähigkeiten in die Arbeit einbringen können. Häkeln und Nähen sind Fertigkeiten, die hier geschätzt werden und für die KUNSTgeragogische Arbeit nutzbar gemacht werden können. Nützlich für die Transferleistung, die die Kursteilnehmenden im Laufe der Qualifizierung immer wieder erbringen, ist die praktische Erfahrung am eigenen Leib. Deswegen stand dieses Mal u.a. die Gestaltung eigener Fahnen oder Kissen zum Thema “Lebensweg” auf dem Programm.

Eine Frau näht auf Stoff.Eine Frau, auf dem Boden hockend, näht an einer Fahne


“Man muss wirklich wissen, warum man diese Sache machen will, denn manchmal ist es schwierig.”

In der Teilgruppe Tanz stellt die Dozentin Rionach Ni Neill erst mal die Frage nach der eigenen Motivation in den Mittelpunkt, denn oft wird Tanz “nur” als Therapie gegen körperliche Beschwerden angefragt. Die Beantwortung der Frage ist eine lebenslange Aufgabe, die auch damit zusammenhängt zu wissen, was einem persönlich Tanz im Alter bedeutet.
Doch schon beim Assoziationen-Sammeln ist klar: Tanz hängt mit Freiheit, Lebensfreude, Lust, Ausdruck zusammen, ist Sprache der Seele und Lebensgefühl; ein Tänzer hat Kraft und Präsenz.
Nicht als Leiter sondern als Tanzbegleiter ist es Aufgabe der KUNSTgeragogen zu aktivieren, zu motivieren, Impulse zu geben und sich gleichzeitig von der Gruppe und deren Fähigkeiten leiten zu lassen. Welche Tanzstile kennt ein 60-Jähriger, ein 70-Jähriger oder ein 80-Jähriger? Sicher hat jede Altersgruppe andere Vorlieben und Bedürfnisse, aber “ich muss nicht in meiner kleinen Box bleiben”, sagt  Rionach Ni Neill. Man könne sich  ruhig mal anderer Ressourcen bedienen – auch bei älteren Menschen gibt es ein Begeisterungspotential für Breakdance.

“Dabei sein, mittendrin und doch den Blick für die Gruppe behalten”

Die Begeisterung am künstlerischen Schaffen soll auch die anderen entflammen. Dabei soll jeder nur das tun, was ihm angenehm ist. Sensibilität für die Bedürfnisse der Älteren, jeder einzelnen Persönlichkeit, ist da unabdingbar. Körperliche Einschränkungen sollten niemanden an einer ganzheitlichen Erfahrung hindern. Deswegen ist es auch für die Kursteilnehmenden der KUNSTgeragogik wichtig, körperliche Erfahrungen aus verschiedenen Positionen zu machen.
Auch für die Bildende Kunst gilt, was Rionach Ni Neill als Grundlagen ihrer Tanzpraxis formuliert: Man begegnet immer der Person (nicht dem Alter oder einer Einschränkung). Und es geht darum  Schöpfungs- und Wahlmöglichkeiten zu geben. Gerade daraus beziehen Kursteilnehmende Kraft und Selbstbestätigung. Entgegen vorgegebener Zeitpläne ist die persönliche Freiheit in der “kreativen Stunde” besonders wichtig und bietet die Möglichkeit sich das zu nehmen, was man selbst gerade will und braucht. Außerdem werden so Selbstständigkeit und Entscheidungskraft gefördert.

Rionach Ni Neill

Rionach Ni Neill

Auf einer Ebene mit den Teilnehmenden kann so Mut entstehen, Neues auszuprobieren und wird Zusammenkommen ermöglicht. Aus der kreativen Beschäftigung wächst Selbstwert und Stolz.

Vom 23. bis zum 26.11. fand das 2. Modul der berufsbegleitenden Qualifizierung statt. In insgesamt 7 Modulen erweitern die Teilnehmenden ihr Wissen über Lernprozesse im Alter und lernen im eigenen Tun mit den Dozenten jedes Mal andere Verfahren und Herangehensweisen zur künstlerischen Arbeit mit Älteren in den Bereichen Bildende Kunst oder Tanz kennen. Neben Handwerkszeug werden so auch Quellen gesammelt, aus denen in der späteren Arbeit geschöpft werden kann und die die eigene Arbeit anregen können. Ziel ist die Konzeption, Durchführung und Reflexion eines konkreten Angebots für Ältere, das im Lehrgang erprobt werden wird.

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Info:
Lernprozesse initiieren – das 2. Modul der Qualifizierung KUNSTgeragogik – zweiter Lehrgang ist Beitrag Nr. 1888
Author:
Lydia Holter am 28. November 2012 um 12:02
Category:
Bildende Kunst,Lebenslanges Lernen
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