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Blog der Bundesakademie Wolfenbüttel -


6. Juni 2013

3 Fragen an Matthias Kalle

6. Obergeschoss mitten in Berlin – ein grandioser Blick. Zumindest bei Konferenzen hat Matthias Kalle diese Aussicht, ansonsten arbeitet er in seiner Rücksicht-auf-die Kollegen-Raucher-Klause. Kalle gehört neben Christoph Amend zum Leitungsduo des ZEIT-Magazins und sorgt mit seinem Team dafür, dass das Magazin jede Woche so gut aussieht, wie es aussieht. Er kenne keinen Stress, sagt Kalle, trotz der vielen Dinge, um die er sich täglich kümmern muss. Ob es daran liegt, dass er sein Smartphone regelmäßig vom frühen Abend bis zum nächsten Morgen ausschaltet? Wenn er neben Arbeit und Familie Ruhe zum Schreiben findet, entstehen so leichtfüßige Bücher wie „Normal hält das“, das sich um „Hausbau und andere Katastrophen“ dreht. Über den Dächern von Berlin stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Kopf des ZEIT-Magazins: Matthias Kalle.

Welche Themen packen Sie beim ZEIT-Magazin nicht an?

Anfangs ist alles möglich. Wir versuchen in der Redaktion ein Klima zu schaffen, in dem jeder jedes Thema auf den Tisch hauen kann. Dann reden wir gemeinsam darüber. Übrigens scheitern am Geschmack viel mehr Themen als an der Angst, wir könnten uns an einem heißen Eisen die Finger verbrennen. Wir haben vor einem halben Jahr eine Titelgeschichte gemacht, in der Heike Faller einen Pädophilen über Monate begleitet hat – der Mann machte eine Therapie, eines der Ziele war, dass er seiner Schwester erzählen konnte, was mit ihm los ist. Fallers Geschichte war getragen von Verständnis und von Empathie – zwei Dinge, mit denen manche Menschen bei diesem Thema nicht unbedingt zurechtkommen; die Geschichte war auch in der Redaktion nicht unumstritten. Aber es war wichtig, dass wir sie gemacht haben, und Heike Faller hat dafür den Henri-Nannen-Preis gewonnen. Um welches Thema es auch immer geht: Ich halte für unerlässlich, eine plausible und gute Geschichte zu erzählen, die unsere Leser unterhält, informiert, ja zum Nachdenken bringt.

Was unterscheidet journalistisches vom literarischen Schreiben?

Unlängst gab es einmal mehr eine Feuilleton-Debatte über das Ende des Romans. Die spannendsten Bücher seien nicht in der Fiktion angesiedelt, sondern arbeiteten sich an realen Gegebenheiten ab, hieß es. Na ja. Aber was bedeutet das für journalistisches Schreiben? Was ein Journalist beschreibt, muss passiert sein, Quellen und Akteure seiner Texte müssen leibhaftige Menschen sein. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied zur fiktionalen Literatur. Der journalistische Text muss glaubwürdig, er muss wahr sein. Im Aufbau und stilistisch kann er sich jedoch an literarische Vorbilder anlehnen. So fühlt sich der Leser von einer Erwin-Koch-Reportage vielleicht genauso gepackt wie von einer Kurzgeschichte Peter Stamms.

Welche Leidenschaft haben Sie neben dem Journalismus?

Dann eben doch: die Literatur. Zum Schreiben komme ich als stellvertretender Chefredakteur leider nur selten. Der Preis, den ich für den Aufstieg in der Hierarchie bezahlt habe, ist eine verschwindend geringe Präsenz mit eigenen Magazingeschichten. Ein Text pro Jahr vielleicht. Aber warum habe ich mir irgendwann diesen Beruf ausgesucht? Nicht vor allem um ein Blatt zu machen, davon hat man als junger Mensch ja keine Ahnung, sondern um zu schreiben. Ich mache das Magazin gern, freue mich jedoch über die Momente, an denen ich an einem Roman arbeite, der möglicherweise niemals erscheint. Eine halbe Romanseite am Morgen, bevor mich der journalistische Alltag wieder einfängt – das ist schön.

Solo-Konferenz: Matthias Kalle über den Dächern von Berlin.

30. Mai 2013

3 Fragen an Sandra Lüpkes

Juist war für sie kein Urlaubsort, sondern für viele Jahre Heimat. Kein Wunder, dass manche Krimis von Sandra Lüpkes an der Nordsee spielen. Jetzt lebt Lüpkes in Münster und hat bislang acht Romane ihrer Profilerin Wencke Tydmers gewidmet. (www.sandraluepkes.de) Neben den Krimis hat ihr Trennungsratgeber „Ich verlasse Dich“ breites öffentiches Interesse gefunden. In ihrem neuen Sachbuch analysiert sie gemeinsam mit Monika Wittblum miese Charaktere unter dem kecken Titel „Woran erkennt man ein Arschloch?“ Sandra Lüpkes war schon mehrfach Dozentin der Akademie, ab und zu auch gemeinsam mit ihrem Mann und Krimi-Autor Jürgen Kehrer. Am Rande der Krimi-Werkstatt „L – eine Stadt sucht einen Mörder“ stellte ihr Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Krimiautorin Sandra Lüpkes.

Wobei entspannst Du Dich am besten?

Bei körperlicher Arbeit, zum Beispiel beim Garten umgraben oder Terrassen bauen. Ich bin bei uns zu Hause die Handwerkerin, die mit Schraubenzieher und Bohrer umzugehen weiß.

Welche Rituale des Vorlesens und Kritisierens gibt es bei einem Krimipaar wie Jürgen Kehrer und Dir?

Bei Romanen geben wir uns die erste Fassung zu lesen – und wir sind dabei wahrlich kritische, ja pingelige Leser! Damit können wir aber entspannt umgehen, weil wir beide davon profitieren und durch solche Vorablektüre ein besseres Buch entsteht.

Der Apple und ich: Schreibzeit im Schloss.

Was schätzt Du an Jürgen Kehrer als Autor am meisten?

Vor allem die Leichtigkeit, mit der er Ironie, Ernsthaftigkeit und Information in seinen Texten verbindet.

3 Fragen an Jürgen Kehrer

In Münster sei er weltberühmt, sagt Jürgen Kehrer augenzwinkernd. Solcher Ruhm geht vor allem auf Georg Wilsberg zurück, die populärste Figur des Krimi-Autors Kehrer. Achtzehn Romane hat er seinem Privatdetektiv auf den Leib geschrieben, und mit den zahlreichen Wilsbergs im ZDF hat Kehrers Ruhm schon längst die Grenzen seiner Wahlheimat Münster überschritten. Dass Jürgen Kehrer nicht auf Wilsberg festgelegt ist, zeigen seine Sachbücher, historischen Romane und Nicht-Wilsberg-Krimis (www.juergen-kehrer.de). Zuletzt erschien von Kehrer „Münsterland ist abgebrannt“. Regelmäßig lehrt Jürgen Kehrer an der Akademie, mitunter gemeinsam mit seiner Frau und Krimi-Autorin Sandra Lüpkes. Am Rande der Krimi-Werkstatt „L – eine Stadt sucht einen Mörder“ stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Wilsbergs Schöpfer Jürgen Kehrer.

Wenn Du auf Dein Debüt als Schriftsteller „Und die Toten lässt man ruhen“ (1990) zurückblickst, woran denkst Du dann vor allem?

Kürzlich erschienen die ersten drei Wilsbergs in einem Band, und so habe ich auch noch einmal meine frühen Krimis gelesen. Ich hatte, ehrlich gesagt, Bammel davor. Würde ich vielleicht denken: Das kann man doch nicht mehr veröffentlichen? Letztlich gefielen mir die Romane besser, als ich vermutet hatte. Natürlich sind die frühen Krimis auch Zeitdokumente, der Stil unterscheidet sich von meinem Stil heute, aber wen wundert das schon?

Privatdetektiv Georg Wilsberg – ist er eine Gnade oder ein Fluch für Dich?

Wenn ich zwischen Gnade und Fluch wählen muss, dann ist Wilsberg eine Gnade. Es ist toll, wenn sich eine Figur über einen langen Zeitraum hält und nach wie vor so viele Fans hat – sei es als Roman- oder als Filmfigur. Das gelingt einem nur einmal im Leben. Ich finde gut, dass es Wilsberg gibt, obwohl ich gern andere Sachen schreibe, von denen ich hoffe, dass sie neben Wilsberg Erfolg haben. Wilsberg jedenfalls ernährt mich und meine Familie, möge es ihm lange gut gehen.

Krimipaar: Jürgen Kehrer und Sandra Lüpkes.

Was schätzt Du an Sandra Lüpkes als Autorin am meisten?

Ich lese ihre Bücher gern, weil sie spannend sind und ihre Figuren Tiefe besitzen. Und was ich besonders schätze: dass sie nicht auf den immer wieder vorbeirauschenden Zug des Zeitgeistes aufspringt. Das wäre bei ihren Insel-Krimis und dem Küstenkrimi-Boom ein Leichtes gewesen, da hätte sie in Serie gehen können. Wäre Sandra an manchen Stellen trivialer geworden, wäre sie heute vielleicht erfolgreicher. Mir imponiert, dass Sandra dieser Versuchung widerstanden hat.

6. Mai 2013

3 Fragen an Hilke Veth

Geboren in Shanghai, Studium in Berkeley, bis vor kurzem Hörspieldramaturgin beim NDR in Hamburg – so sehen zentrale Lebensstationen von Hilke Veth aus. Durch ihren kritischen Blick hat so manches Manuskript profitiert, und jetzt genießt sie es, Zeit für sich und eigene Projekte zu haben. Der Akademie ist sie seit fünfzehn Jahren verbunden und hat beim NDR unter anderem die Hörspiel-Werkstatt „Ganz Ohr“ koordiniert, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturfonds in diesem Jahr zum vierten Mal in Wolfenbüttel stattfand. Am Rande dieser Werkstatt stellte ihr Olaf Kutzmutz drei Fragen.

NDR-Hörspieldramaturgin: Hilke Veth.

Was zeichnet eine gute Hörspieldramaturgin aus?

Neugier auf Autoren.

Hat Dich neben dem Bearbeiten von Manuskripten jemals das eigene Schreiben gereizt?

Natürlich, meine Laufbahn beim NDR hat sogar mit einem eigenen Hörspiel begonnen. Das war 1996, und das Hörspiel hieß „Du meinst, ich rede wie alle“. Nach meiner Zeit beim NDR habe ich jetzt den Freiraum für ein umfangreicheres Romanprojekt. Ich bin gespannt, wie weit ich damit komme und fühle mich geradezu auf einer Entdeckungsreise zu meinen eigenen Möglichkeiten.

Welches Hörspiel würdest Du jemandem vorschlagen, den Du für diese Gattung begeistern möchtest?

Irgendetwas Witziges. Ich nenne kein spezielles Hörspiel, weil eine Empfehlung stark von dem Menschen abhinge, dem ich es empfehlen würde. Was es auf jeden Fall wäre: ein erzählendes Hörspiel. Warum? Weil ich gut erzählte Geschichten liebe. Und „erzählend“ bedeutet, darauf lege ich Wert, keineswegs „konventionell“. Erzählen lässt sich auch überaus modern.

Unterwegs zum Schloss: Hilke Veth, Sabine Stein, Leonhard Koppelmann.

3 Fragen an Sabine Stein

Sie ist Spezialistin für Hörspiel und Drehbuch und arbeitet seit fast zwanzig Jahren freiberuflich als Autorin und Lektorin. Darüber hinaus lehrt Sabine Stein Verbale Kommunikation und Literarisches Schreiben an verschiedenen Institutionen (www.sabinestein.net). Immer wieder ist sie an der Akademie zu Gast, wenn es darum geht, Hörspielstipendiaten zu beraten. „Fördewind“, ein ARD Radio-Tatort, heißt ihr bislang letztes Hörspiel. Derzeit arbeitet Sabine Stein unter dem Titel „Superhelden“ an ihrem zweiten Roman, in dem es um die Frage geht: Was ist eigentlich jung, was ist eigentlich alt? Am Rande der Hörspiel-Werkstatt „Ganz Ohr“ stellte ihr Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Vom Winde verweht: Sabine Stein.

Was hat sich aus Sicht der Freiberuflerin in den letzten Jahren beim Hörspiel getan?

Es ist härter geworden, seine Stoffe bei den öffentlich-rechtlichen Sendern unterzubringen. Das liegt vor allem daran, dass die Budgets in allen Sendern geringer geworden sind. Redakteure und Dramaturgen bestätigen, dass weniger eingekauft wird und mehr Wiederholungen aus dem eigenen Bestand laufen. Und es ist zudem schwieriger geworden, produzierte Hörspiele an andere Sender weiterzuverkaufen.

Welche Tugenden zeichnen eine gute Hörspielautorin aus?

Mir fällt eine Tugend ein, die für alle Schriftstellerinnen und Schriftsteller gilt: eine große Neugier auf Menschen.

Welche Rolle spielt für Dich das Segeln?

Beim Segeln bin ich an einem Ort, wo keine Buchstaben sind.

In Aktion bei der Hörspielwerkstatt „Ganz Ohr“.

3 Fragen an Leonhard Koppelmann

Rund 200 Hörspiele sind mit seinem Namen verbunden. Leonhard Koppelmanns Spektrum als Regisseur, Bearbeiter und Autor ist breit und reicht von Monumentalwerken wie der über dreizehnstündigen Produktion von Thomas Manns „Doktor Faustus“ bis hin zu kleinfeinen Produktionen wie dem Livehörspiel „Fantômas ist nicht zu fassen“. Aktuell bereitet Koppelmann eine Leseperformance zu Rainald Goetz’ Roman „Johann Holtrop“ vor. Wenn er nicht in oder zwischen Sendestudios unterwegs ist, gibt er sein praktisches Wissen an Unis oder auch an der Bundesakademie weiter. Am Rande der Hörspiel-Werkstatt „Ganz Ohr“ stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Wie schwer hat es das Hörspiel in einer Welt der Bilder?

Eigentlich leicht, da Bilder einen Überdruss erzeugen, der uns wieder stärker auf das Mündliche zurückwirft. Ich glaube an das große Bedürfnis nach erzählten Geschichten, die auf die Bilder im Kopf vertrauen. Wir merken etwas von diesem Bedürfnis durch Hörbars, Festivals und viele weitere Veranstaltungen, die sich konkret mit dem Hören beschäftigen.

Herr des Hörspiels: Leonhard Koppelmann.

Was für ein Typus von Regisseur bist Du?

Zuschauen und Zuhören machen vor allem mein Selbstverständnis als Regisseur aus. Dabei arbeite ich weniger gestaltend als reflektierend. Als erster Zuhörer oder erster Zuschauer gleiche ich mit meinem Gegenüber, dem Schauspieler, ab, was ich wahrgenommen habe. Haben wir erreicht, was wir uns vorgenommen haben, um unsere Geschichte zu erzählen? Stimmt zum Beispiel die Gefühlslage der Figur? Die situative Verortung? Werden Handlung und Idee angemessen transportiert?

Wie sieht die Welt durch gelbe Brillengläser aus?

Rosiger … jedenfalls weniger grau. Wenn ich aus dem Chorsaal auf die Hertie-Ruine in all ihrer Betonscheußlichkeit blicke, hilft das Gelb, ein vermeintliches Sonnenlicht auf das Gebäude zu spiegeln.

Liebste Dinge: Notebook und sonnenlichtgelbe Brille.

30. April 2013

3 Fragen an Petra Hermanns

Ihr Name ist Hermanns, Petra Hermanns. Und als Agentin gehört sie zu den renommiertesten der Branche. Ihr Spezialgebiet seit 1998: Gute Unterhaltung von Kerstin Gier bis Michael Mittermaier. Ihre Agentur scriptsforsale (www.scriptsforsale.de) vertritt Unterhaltungsliteratur, Drehbuch / Film und seit neuestem auch den Bereich Kinder- und Jugendbuch, und zwar an den Standorten Frankfurt/M., Hamburg und München. Seit über zehn Jahren lehrt Hermanns an der Akademie. Gemeinsam mit dem Lektor Werner Irro leitet sie einmal im Jahr die Werkstatt „Beruf ‚Autor’“. Am Rande dieser Werkstatt stellte ihr Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Welches Thema verkauft sich zur Zeit am besten?

Am besten läuft das Genre Spannung, darüber hinaus große Gefühle in Familiendramen oder Schicksalsgeschichten.

Seit 1998 Agentin: Petra Hermanns.

Wieviele der Initiativbewerbungen hatten bei Deiner Agentur eine Chance?

Seit 1998 habe ich vier Projekte aus dem Stapel unaufgefordert eingereichter Manuskripte gezogen und verkauft. Um diese Zahl besser einordnen zu können: Ich bekomme mittlerweile rund hundert Anfragen pro Monat.

Elementares im Chorsaal: Arbeitsplatz von Petra Hermanns.

Und wurde aus einem dieser vier Projekte ein richtiger Publikumserfolg?

Ja, es war eines der Projekte aus der Frühzeit der Agentur. Eric Walz, so der Name des Autors, schickte mir einen umfangreichen historischer Roman, für den ich nach einer kurzen Überarbeitungsphase einen Verlag gefunden habe. Das Debüt von Walz hat sich unter dem Titel „Die Herrin der Päpste“ mehr als 120.000-mal verkauft und dem Autor den Einstieg verschafft, vom Schreiben zu leben.

29. April 2013

3 Fragen an Finn-Ole Heinrich

Mit dem Literatur Labor Wolfenbüttel fing für ihn Vieles an. Jedenfalls wurde es für Finn-Ole Heinrich nach dem Stipendium 2002 mit dem Schreiben ernster. Mittlerweile blickt er auf eine Menge Bücher und über 500 Lesungen zurück, die er in ganz Europa absolviert hat. Damit nicht genug: Kürzlich erschien sein erstes Kinderbuch. Für „Frerk, du Zwerg“ erhielt er prompt den Deutschen Jugendliteraturpreis. Auf die Literatur ist Heinrich nicht festgelegt. Er hat Filmregie studiert und eine Reihe von Kurzfilmen und Musikvideos vorgelegt. (www.finnoleheinrich.de) Derzeit arbeitet er an einem Kinofilm. Am Rande des Literatur Labors Wolfenbüttel stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Vom Stipendiaten zum Gastautor: Finn-Ole Heinrich.

Vor über zehn Jahren selbst Stipendiat, jetzt Gastautor beim Literatur Labor Wolfenbüttel – was ist das für ein Gefühl?

Ich genieße das gerade total. Vor allem die Stimmung, mit jüngeren Menschen zu arbeiten, die Lust auf eine Welt haben, in der ich mich jeden Tag bewege. Gastautor zu sein ist für mich auch eine Reise zurück, in meine Vergangenheit. Für mich war das LiLaWo ein Start ins Schriftstellerleben, ja, es war mit das wichtigste meiner Stipendien. Ich war hundemüde, als ich gestern im Bett lag, und konnte trotzdem nicht einschlafen, weil mir die ganze Zeit Kleinigkeiten und Gesprächsfetzen des Labors von 2002 durch den Kopf gingen. Für mich war es damals schön, mich mit einem Autor wie Lutz Seiler auszutauschen. Und es ehrt mich, jetzt solch eine Rolle selbst übernehmen zu dürfen.

Welcher Wunsch sollte sich in Deinem Schreiberleben erfüllen?

Ich würde gern dem Mairisch-Verlag treu bleiben. Wenn es irgendwie geht, mit dem Team so zu wachsen, dass wir alle davon leben können und unabhängig bleiben. Ansonsten wünsche ich mir, mich nicht zu wiederholen und die Klappe zu halten, wenn ich nichts mehr zu sagen habe.

Einlagenträger seit kurzer Zeit – erstes Exklusivfoto.

Wenn Du Dir jemand für ein gemeinsames Projekt aussuchen dürftest, wer wäre das?

Michael Haneke. Mit 15 habe ich seine „Funny Games“ gesehen. Bis dahin kannte ich nichts, was vom Mainstream abgewichen war Dieser Film war ein künstlerisches Erweckungserlebnis. Ich bin danach eine Woche benebelt durch die Stadt gelaufen und dachte: Wow, das kann man mit Geschichten machen, so kann man Menschen in andere Zustände versetzen! Bei Haneke würde ich am Set gern einmal Mäuschen spielen oder mich mit ihm über das Schreiben unterhalten. Er ist so unglaublich präzise und knallhart, ein Typ mit lauter relevanten Themen – und das fasziniert mich an Haneke.

23. April 2013

3 Fragen an Werner Irro

Er ist ein Spezialist für Feinjustierungen in der Literatur und hat zuletzt den Bestseller „Er ist wieder da“ von Timur Vermes lektoriert. Werner Irro arbeitet freiberuflich und hat nach Stationen an der Akademie Schloss Solitude und bei Rowohlt sein Wortinstitut gegründet (www.wortinstitut.de). Seit über zehn Jahren lehrt Irro an der Bundesakademie und leitet einmal im Jahr gemeinsam mit der Agentin Petra Hermanns die Werkstatt „Beruf ‚Autor’“. Am Rande dieser Werkstatt stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Wovon träumt ein Lektor nachts?

Für mich sind die schönsten Träume solche, die mit Literatur gar nichts zu tun haben.

Lektor Werner Irro.

Wen würdest Du gern lektorieren?

Große Autoren wie Wilhelm Genazino würde man gern lektorieren, muss aber gleichzeitig Sorge haben, dass man aus Respekt vor ihnen stumm wird.

Wann bist Du mit einem Manuskript zufrieden?

Darauf gibt es zwei Antworten. Die erste: Ich bin mit einem Manuskript zufrieden, wenn ich es im Rohzustand kenne und nach dem Lektorat sehe, dass sich etwas zum Guten hin getan hat. Die andere: Ein Text, den ich wirklich gut finde, haut mich einfach um.

Vom Manuskript zum Buch: Skizze von Werner Irro.

12. März 2013

3 Fragen an Klaus N. Frick

Er leitet schon seit Mitte der neunziger Jahre Werkstätten an der Bundesakademie. Meist zu Lang- oder Kurzformen literarischer Sciencefiction, seit einiger Zeit auch generell zu phantastischer Literatur. Klaus N. Frick ist im Hauptberuf gleichsam Perry Rhodan. Als Chefredakteur verantwortet er alle Aktivitäten rund um die Marke Perry Rhodan und sorgt vor allem dafür, dass jede Woche ein Heftroman dieser Serie erscheint (www.perry-rhodan.net). Das erfordert eine große Gabe, Fäden zusammenzuhalten, Autoren zu begeistern und letztlich zu motivieren, ihre Manuskripte pünktlich abzuliefern. Trotz Dauerstress versprüht Klaus N. Frick jede Menge guter Laune; nicht nur das macht die Arbeit mit ihm so angenehm. Am Rande einer Werkstatt stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Wer ist Perry Rhodan für Dich?

Perry Rhodan ist die Figur, mit deren Abenteuern ich mein Geld verdiene.

Mann für alle Perry-Rhodan-Fälle: Klaus N. Frick.


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