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Blog der Bundesakademie Wolfenbüttel -


29. April 2013

3 Fragen an Finn-Ole Heinrich

Mit dem Literatur Labor Wolfenbüttel fing für ihn Vieles an. Jedenfalls wurde es für Finn-Ole Heinrich nach dem Stipendium 2002 mit dem Schreiben ernster. Mittlerweile blickt er auf eine Menge Bücher und über 500 Lesungen zurück, die er in ganz Europa absolviert hat. Damit nicht genug: Kürzlich erschien sein erstes Kinderbuch. Für „Frerk, du Zwerg“ erhielt er prompt den Deutschen Jugendliteraturpreis. Auf die Literatur ist Heinrich nicht festgelegt. Er hat Filmregie studiert und eine Reihe von Kurzfilmen und Musikvideos vorgelegt. (www.finnoleheinrich.de) Derzeit arbeitet er an einem Kinofilm. Am Rande des Literatur Labors Wolfenbüttel stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Vom Stipendiaten zum Gastautor: Finn-Ole Heinrich.

Vor über zehn Jahren selbst Stipendiat, jetzt Gastautor beim Literatur Labor Wolfenbüttel – was ist das für ein Gefühl?

Ich genieße das gerade total. Vor allem die Stimmung, mit jüngeren Menschen zu arbeiten, die Lust auf eine Welt haben, in der ich mich jeden Tag bewege. Gastautor zu sein ist für mich auch eine Reise zurück, in meine Vergangenheit. Für mich war das LiLaWo ein Start ins Schriftstellerleben, ja, es war mit das wichtigste meiner Stipendien. Ich war hundemüde, als ich gestern im Bett lag, und konnte trotzdem nicht einschlafen, weil mir die ganze Zeit Kleinigkeiten und Gesprächsfetzen des Labors von 2002 durch den Kopf gingen. Für mich war es damals schön, mich mit einem Autor wie Lutz Seiler auszutauschen. Und es ehrt mich, jetzt solch eine Rolle selbst übernehmen zu dürfen.

Welcher Wunsch sollte sich in Deinem Schreiberleben erfüllen?

Ich würde gern dem Mairisch-Verlag treu bleiben. Wenn es irgendwie geht, mit dem Team so zu wachsen, dass wir alle davon leben können und unabhängig bleiben. Ansonsten wünsche ich mir, mich nicht zu wiederholen und die Klappe zu halten, wenn ich nichts mehr zu sagen habe.

Einlagenträger seit kurzer Zeit – erstes Exklusivfoto.

Wenn Du Dir jemand für ein gemeinsames Projekt aussuchen dürftest, wer wäre das?

Michael Haneke. Mit 15 habe ich seine „Funny Games“ gesehen. Bis dahin kannte ich nichts, was vom Mainstream abgewichen war Dieser Film war ein künstlerisches Erweckungserlebnis. Ich bin danach eine Woche benebelt durch die Stadt gelaufen und dachte: Wow, das kann man mit Geschichten machen, so kann man Menschen in andere Zustände versetzen! Bei Haneke würde ich am Set gern einmal Mäuschen spielen oder mich mit ihm über das Schreiben unterhalten. Er ist so unglaublich präzise und knallhart, ein Typ mit lauter relevanten Themen – und das fasziniert mich an Haneke.

5. März 2013

“Es gibt keinen Text, der freiwillig gelesen werden und langweilen kann.” – Basiskurs Erzählen V: Dramaturgie und Spannung

“Bill Conolly saß in seinem Sessel wie schockgefrostet.” Was da wohl geschehen ist, fragt man sich und liest “Wahnsinn in Wales” von Jason Dark weiter, wenn einen der Heftroman denn interessiert. Genau so funktioniert Spannung – sie hindert einen in jedem Satz, mit der Lektüre aufzuhören. Was den Leser fesselt, hat nicht zwingend etwas mit Action zu tun. Zumal das Empfinden, was Spannung angeht, auch vom Rezipienten abhängt. In jedem Fall liege ein Spannungsmoment in der Besonderheit des Erzählten. “Wer kein Drama hat, hat nichts zu erzählen”, zitiert Olaf Kutzmutz Felicitas Hoppe.
Wer weiß, wofür seine Figur kämpfen würde, ist schon mal auf dem richtigen Weg. Sind die Ziele der Figur auch hoch genug, damit sie den Leser mitziehen? Ist das der Fall, wollen wir sehen, wie Überraschendes passiert, wie die Figuren Hindernisse überwinden und dass die Erfüllung ihrer Wünsche sich ein bisschen verzögert – sonst bräuchte man die Geschichte auch nicht erzählen.
Beim Erzählen ist dabei aber unbedingt Glaubwürdigkeit zu wahren. Mit dem Vertrauen des Lesers spielt man nicht. Die Lösung muss genau wie die Spannungsmomente im Bauplan der Geschichte angelegt sein – sie gehören zur Dramaturgie.

Stefan Ulrich Meyer und Olaf Kutzmutz mit den Teilnehmenden beim Basiskurs Erzählen V

Inhaltliche wie syntaktische Verdichtung können ein Verfahren zur Erzeugung von Spannung sein. Aber auch gegenläufige Interessen von Figuren, die Identifikation mit einer Figur, Parallelen zur realen Welt, Emotionen (durch das Mitleiden des Lesers) oder die Tatsache, dass der Leser mehr weiß als die Figur, können diesen fesseln.

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20. November 2012

3 Fragen an Burkhard Spinnen

Er liest haargenau, kommentiert begnadet, wenn auch nicht immer gnädig. Wer Burkhard Spinnen jemals beim Bachmann-Preis erlebt hat, weiß wovon die Rede ist. Schriftsteller ist Spinnen seit zwei Jahrzehnten. Er wurde mit dem Erzählband „Dicker Mann im Meer“ 1991 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, zuletzt erschien sein Roman „Nevena“, in dem unsere Netzwelt und die Liebe einer Zornelfe zu einem Barbaren prominente Rollen spielen. Seit 2006 ist Spinnen an der Akademie regelmäßig Gast von Tagungen und Seminaren. Olaf Kutzmutz stellte ihm am Rande einer Werkstatt zu William Somerset Maugham drei Fragen.

Was zeichnet einen Schriftsteller vor allem aus?
Seine Probleme mit der Definition seines Berufs- und Menschenbildes.

Welche Rolle spielt bei Dir der Modellbau von Schiffen?

Der Modellbau ist dem künstlerischen Prozess im Prinzip sehr ähnlich. Er bringt aber keine Kunst hervor, sondern etwas, das sich an handwerklichen Maßstäben zumindest einigermaßen objektiv messen lässt. Sowas kann gelegentlich entlastend wirken.

Was schätzt Du an Deiner Wahlheimat Münster?

An Münster schätze ich, dass dort im Alltag nicht permanent die Hoffnung enttäuscht wird, auch größere soziale Systeme könnten stressfrei funktionieren.

Im weitesten Sinn Modellbauer: Burkhard Spinnen.


Stillleben mit Maugham: Arbeitsplatz Burkhard Spinnens im Chorsaal.

12. November 2012

3 Fragen an Hartmut Lange

Er hat mit Dramen begonnen und ist jetzt ein Meister der Novelle. Der Schriftsteller Hartmut Lange sieht sich selbst als „Triebtäter“. „Ich schreibe so, weil ich so bin“, sagt er. Mit heiliger Erzählnüchternheit lotet Lange Abgründe im Alltäglichen aus und bewegt sich dabei virtuos auf der Schattenlinie zwischen Wirklichkeit und Unfassbarem. Seine Schriftstellerlaufbahn begann Lange als Dramatiker in der DDR, bevor er 1965 in den Westen übersiedelte. Zu seinen bekanntesten Prosawerken gehören „Das Konzert“ und „Die Waldsteinsonate“. Am Rande einer Literaturwerkstatt stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Ihre Bestzeit über 100 Meter?

Als B-Jugendlicher lief ich 11,1.

Ein positiver Nihilist: Hartmut Lange.

Hartmut Lange über Hartmut Lange?

Ich bin ein realistischer Kafka.

Worüber können Sie lachen?

Über Kalauer und Didi Hallervorden.

Hartmut Lange mit Teilnehmern der Werkstatt „Das Unheimliche“.

6. November 2012

Literaturstipendien des Landes Niedersachsen

Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen schreibt verschiedenen Stipendien im Bereich Literatur aus. Nicht bei allen ist der Wohnsitz oder Arbeitsort in Niedersachsen notwendig. Es gibt ein Stipendium für Kinder- und Jugendliteraturautoren, ein Jahresstipendium für freiberufliche Autoren_innen, ein Arbeitsstipendium zur Realisierung schriftstellerischer Arbeitsvorhaben und ein Übersetzerstipendium. Die Bewerbungsfrist für 2013 endet am 15.01.2013. Informationen finden Sie hier: http://bit.ly/UgqKfb

25. Juli 2012

3 Fragen an Benjamin Lebert

Als Benjamin Lebert 17 Jahre alt war, erschien sein Roman-Debüt „Crazy“. Es verkaufte sich über anderthalb Millionen Mal und machte den Jungautor zum Star. Heute ist Lebert 30 und hat gerade seinen neusten Roman, „Im Winter dein Herz“ veröffentlicht. Seine Erfahrungen als Schriftsteller gab er kürzlich im Literatur Labor Wolfenbüttel (www.lilawo.de) an zwölf Stipendiaten weiter. Bei dieser Gelegenheit stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Dein liebster Schreibort?
Meine liebesten Schreiborte sind weiß. Ich brauche das Weiß, damit ich es gedanklich auffüllen kann. Farben und Ereignisse um mich herum lenken mich dabei ab. Laut Hemingway sollte ein guter Schriftsteller auch im Schützengraben schreiben können; das kann ich nicht und muss ich hoffentlich auch nie tun.

„Crazy“ machte ihn 1999 zum Star: Benjamin Lebert

Was hältst Du von Schreibförderungen wie dem Literatur Labor Wolfenbüttel, das sich an junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren richtet?
Wenn bei den jungen Leuten ein Schreibfunken vorhanden ist, kann durch solche Förderungen ein Feuer daraus werden.

Ein Tipp für alle, die besser schreiben möchten?
Weglassen üben ist mein Tipp. Wie beim Entblättern einer Artischocke muss der Autor bei seinem Text zum Herz vorstoßen.

Am Rande des LiLaWo: Hände, die ein Buch verbergen

8. Juni 2012

3 Fragen an Rainer Moritz

Die meisten Menschen hätten genug damit zu tun, das Literaturhaus Hamburg zu leiten. Nicht so Rainer Moritz. Er schreibt Literaturkritiken, pflegt Spezialgebiete wie Schlager, Fußball und Proust und ist seit einiger Zeit auch Romanautor. Einen Teil seiner verbleibenden Zeit verbrachte er kürzlich an der Akademie bei einer „Werkstatt erotisches Schreiben“. Olaf Kutzmutz stellte ihm drei Fragen.

Was wäre an Deinem Beruf anders, wenn Du kein Handy hättest?

Ich habe meinen Beruf lange betrieben, bevor es Handys gab. Mein erstes Handy habe ich 1998 gekauft, als ich für Hoffmann & Campe eine Auslandsreise antreten musste. Zum Glück bin ich in einem Beruf, in dem ich Handy und Internet nicht ständig brauche. Letztes Jahr habe ich zwei Wochen in Südtirol Urlaub gemacht und hatte keinerlei Netzanschluss – und das ging. Es ist mühsamer geworden, das stimmt, jedoch benutze ich Handy und Internet sehr gern, sehe mich da nicht als Leidenden.

Wie man politisch korrekt raucht: Rainer Moritz mit kaltem Zigarillo

Was würdest Du machen, wenn Du nicht im Literaturbetrieb aktiv wärst?

Ich habe Germanistik, Philosophie und Romanistik studiert und anschließend promoviert. Damals wie heute war es sehr schwer, mit diesen Fächern eine erste Stelle zu finden. Ich war verzweifelt, ob ich vielleicht ganz woanders landen würde, bei Olivetti zum Beispiel, was tatsächlich möglich gewesen wäre. Ich empfinde es als Privileg, das zu tun, was ich studiert habe – auch wenn man sich im Literaturhaus mitunter um defekte Heizungen oder Dachrinnen kümmern muss.

Was würde ich sonst machen? Für viel anderes bin ich vielleicht nicht geschaffen. Früher wollte ich Fußballschiedsrichter werden. Das war aber noch keine Zeit für Profi-Schiedsrichter, und so hätte ich mit dieser Leidenschaft nichts verdient.

Dein Tipp fürs Endspiel der Fußball-Europameisterschaft?

Deutschland gegen Spanien, und zwar eins zu null nach Verlängerung für Deutschland.

Autors Freude: Signieren nach der Lesung in Schünemanns Mühle

5. Juni 2012

3 Fragen an Stefan Ulrich Meyer

Seit 1999 arbeitet Stefan Ulrich Meyer bei uns als Literatur-Dozent, besonders regelmäßig in den „Basiskursen Erzählen“. Im Hauptberuf ist er Programmleiter Sachbuch bei Droemer Knaur (München) und dort für Hardcover zuständig. Beim letzten „Basiskurs“ antwortete er Olaf Kutzmutz auf drei Fragen.

Weniger ist mehr für den Lektor Stefan Ulrich Meyer.

Dein häufigstes Korrekturzeichen?

Das Deleatur, das Tilgungszeichen. Vielen, den meisten Texten kann man durch zarte, gelegentlich auch durch weniger zarte Streichungen zu mehr Klarheit, Prägnanz, Eleganz verhelfen. In der Regel wird der Stil des Autors dadurch nicht verfälscht. Und bei misslungenen Büchern endet das Leiden des Lesers einfach früher.

Von ihm selbst gemalt: Meyers häufigstes Korrekturzeichen.

Wie sieht für Dich als Lektor ein ideales Manuskript aus?

Schwierige Frage. Spontan möchte ich ausrufen, ein Manuskript, das mich staunen und niederknien lässt. Aber was soll ein Lektor da noch tun? Diese Fälle sind auch selten. Vielleicht versuchen wir es also so: ein Manuskript, das ich zwar noch ein bisschen verbessern kann, bei dem ich aber viel lerne, bei dem mich Rechercheergebnisse und die klugen Gedanken des Autors verblüffen, dessen Stil ich liebe.

Dein Motto?

Da gibt es einige. Zum Beispiel das von Peter Rühmkorf entlehnte „in meinen Kopf passen viele Widersprüche“, das aufgreifend und auf die erste Frage blickend, ich mir den ebenfalls von Rühmkorf formulierten Seufzer in Erinnerung rufe „Lektoren: die immer denken, sie müssten bremsen und streichen“.

16. Mai 2012

3 Fragen an Ole Könnecke

Er ist in Göttingen geboren, lebte als Kind in Schweden und jetzt in Hamburg. Es dauerte mehr als ein halbes Jahrhundert, bis der Texter und Illustrator Ole Könnecke erstmals nach Wolfenbüttel kam. Hier leitete er kürzlich eine Werkstatt “Wort trifft Bild”. Olaf Kutzmutz stellte ihm bei dieser Gelegenheit drei Fragen.

Texten und Zeichnen gehören für ihn zusammen: Ole Könnecke

Mit welchem Zeichengerät arbeitest Du am liebsten?

Mit meinem schwarzen Montblanc-Füller, einem sogenannten “Meisterstück”. Als ich im Laden probeweise damit herumkritzelte, fragte mich die Verkäuferin: Haben Sie schon einmal mit einem Füller geschrieben? Sie hat mir den Füller dann trotzdem verkauft.

Siehst Du Dich eher als Texter oder als Zeichner?

Ja – ich kann das nicht voneinander trennen.

Georg Christoph Lichtenberg, wie ihn Ole Könnecke sieht

Welches Buch hat Dich in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

“Der Graf von Monte Christo”. Ein großartiges, ein verrücktes, ein riesiges Buch. Seit Ewigkeiten hatte ich einmal wieder das Gefühl, einfach nur zu lesen. Und die 1500 Seiten ließen mich kaum zum Arbeiten kommen.

3. Mai 2012

3 Fragen an Christoph von der „Sendung mit der Maus“

Wer an die „Sendung mit der Maus“ denkt, denkt auch ihn: an Christoph, den mit dem grünen Pulli. Mit vollem Namen heißt er Christoph Biemann und ist seit vier Jahrzehnten einer der bekanntesten Köpfe der „Sendung mit der Maus“. Am Rande des Seminars „Prinzip Maus“ stellte ihm Olaf Kutzmutz drei Fragen.

Seit über 40 Jahren bei der "Maus": Christoph Biemann.

Warum ist die Maus eigentlich orange?

Eine einfache Frage: Die Maus sollte auf jeden Fall farbig sein. Als die Figur Anfang der 70er Jahre erfunden wurde, war die Modefarbe orangebraun.

An welchem Erklärprojekt für die „Maus“ bist Du schon einmal gescheitert?

Das geschah, als wir neulich der Frage nachgingen „Wie kann ich mich vor einer Erkältung schützen?“ Was die Informationen anging, lag das Thema klar vor uns: Generell sollte man Leute meiden, man sollte keine Busse und keine Fahrstühle benutzen und möglichst niemandem die Hand geben. Das Thema fiel aber letztlich so menschenfeindlich aus, dass wir lieber keinen Mausfilm dazu gemacht haben.

Was fällt Dir als erstes ein, wenn Du an Wolfenbüttel denkst?

Natürlich die Bundesakademie für kulturelle Bildung und das „Prinzip Maus“, das wir hier seit 2002 alle zwei Jahre erklären.

Marktszene in Wolfenbüttel: Teilnehmer des "Prinzips Maus" erklären die Welt.