Veranstaltung

Theaterprojekte mit jugendlichen Geflüchteten

»Wenn man ein Land verlässt, ist es entscheidend, ob und wie man den Verlust betrauern kann. Man verliert Gerüche, Nahrungsmittel, man verliert Familienangehörige, das Land und seine Identität«                                     
Vamik Volkan, Friedens- und Konfliktforscher

Unbegleitete Minderjährige mit Fluchterfahrung
Allein 2015 sind rund 60.000 unbegleitete Minderjährige nach Deutschland eingereist. Kinder und heranwachsende Jugendliche, die vor Krieg und Verfolgung nach Europa geflohen und in Deutschland ankommen sind, haben dieselben Rechte wie alle jungen Menschen. Es liegt in der gemeinsamen Verantwortlichkeit staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure, ihr Ankommen im Sinne der Kinder- und Jugendrechte zu gestalten und gelingende Ausgangsbedingungen für ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen. Kulturelle Bildung ist in besonderem Maße in der Lage, Angebote für Teilhabe, Spracherwerb, Chancengerechtigkeit zu entwickeln.

Besondere Herausforderungen in Theaterprojekten
Der Beratungsbedarf für alle, die in kulturellen Projekten, in der Schule und in Initiativen mit jungen Geflüchteten zusammenarbeiten, ist enorm. Die Leitenden (Lehrer_innen, Theaterpädagog_innen, Künstler_innen u.a.) sehen sie sich besonderen Anforderungen gegenüber: Traumatisierungen der Jugendlichen, genderspezifische Aspekte, Rechtsfragen, Herausforderung an gesellschaftliche Modelle, fehlende Familien bzw. Beziehungsrahmen etc. Eine intensive Vernetzung mit Expert_innen unterschiedlicher Professionen ist erforderlich. Wissens-Allianzen sind gefragt. Allianzen, die das relevante und aktuelle Know-how aus den Bereichen Kultur, Theater, Bildung, Jugend, Soziales, Recht, Psychologie u.a. zusammenführen und den Theaterschaffenden zur Verfügung stellen.

Coming of Age/ Erwachsenwerden als Thema
Jugendliche mit Fluchterfahrung sind auch ›einfach Jugendliche‹. Junge Menschen, die Fragen und Themen beschäftigen, die sich allen Heranwachsenden stellen: Fragen nach der eigenen Rolle in der Welt, nach Gruppenzugehörigkeit(en), nach Freundschafts- und ersten Liebesbeziehungen, Gender usw. Fragen vor diesem Hintergrund stellen sich für Jugendliche mit Fluchterfahrung oft in anderer, verschärfter, manchmal existentieller Form – doch grundsätzlich teilen sie sie mit den Jugendlichen in Deutschland, denen sie im Theaterprojekt begegnen. Viele äußern dezidiert den Wunsch, nicht »immer als Flüchtling« beteiligt zu werden: »We don't want to stick out – we want to blend in!«

Gegenstand und Ziel
In Workshops, Vorträgen und Gesprächen geben Expert_innen, die seit vielen Jahren mit geflüchteten jungen Menschen arbeiten, ihre Erfahrung, ihr Wissen und Know-How weiter: Wie lassen sich didaktische, künstlerische und politische Herausforderungen meistern? Welcher Rahmenbedingungen bedarf es? Wo kann man welche Unterstützung bekommen? Anhand konkreter Beispiele aus der Praxis wird diskutiert, welche ästhetischen Potentiale Theaterprojekte auf dem Weg zu Integration und Spracherwerb entfalten können.

Kostenanteil: 81,00 € (inkl. Ü/VP); 30,50 € (exkl. Ü/F)

In Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Spiel & Theater

BAG Spiel und Theater

Gefördert durch

Bundeszentrale politische Bildung    Bundesministerium Familen Jugend Frauen

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Leitung: Ute Handwerg, Maik Walter, Dr. Birte Werner | Datum: 4. Nov (10:30 Uhr) - 5. Nov 2016 (14:00 Uhr) | Kostenanteil: 81,- € (inkl. Ü/VP) |

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