Publikationen

Warum wir lesen, was wir lesen

Warum wir lesen, was wir lesen

Beiträge zum literarischen Kanon

Olaf Kutzmutz
(Hrsg.)

97 Seiten, DIN A5,

Preis: 2,50 EUR als PDF-Download

WAT 9

 

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WAT 9

2,50 €

Band 9 der Reihe Wolfenbütteler Akademie-Texte (WAT) dokumentiert die bildungspolitische Kanon-Tagung WARUM WIR LESEN, WAS WIR LESEN, die vom 30. November bis 2. Dezember 2001 an der BUNDESAKADEMIE FÜR KULTURELLE BILDUNG WOLFENBÜTTEL stattgefunden hat. Der RECLAM VERLAG hat diese Tagung personell und finanziell freundlich unterstützt.

Die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig zeigen es immer wieder: Das Archiv der Literatur wächst unaufhaltsam. Was davon sollen wir aber lesen? Wir müssen auswählen, aber nach welchen Kriterien? Wer bestimmt, welche Texte wichtig sind? Und ist Lesen, Literatur in multimedialer Zeit überhaupt (noch) wichtig?

Diese Fragen - besonders dringlich nach den Ergebnissen der Pisa-Studie im letzten Herbst - berühren den literarischen Kanon, jene (gedachte) Sammlung wertvoller Texte, die eine Gesellschaft überliefern möchte. Der Kanon ist laut Manfred Schneider "nicht das, was man liest, sondern das, wovon man weiß, daß es gelesen werden sollte" - Goethes Faust zum Beispiel. Er vermittle, wie Adorno bemerkte, "Bildung durch Fortlassen".

Wer Kanon sagt, muss aber nicht nur Altes, Bewährtes, Ehrwürdiges meinen. Er darf, ja sollte die Gegenwart im Blick behalten - und die endet in der Literatur wie auch sonst nicht mit Dürrenmatt und Frisch. In diesem Sinne müsse die Schule laut Peter von Matt "die Erkenntnis vermitteln, daß Literatur, die zählt, nicht grundsätzlich älter ist als der eigene Großvater, daß sie vielmehr sogar um einiges jünger sein kann als der Torhüter der Nationalmannschaft."

Nicht nur die Frage, wie ein literarischer Kanon beschaffen sein sollte, ist seit jeher strittig, sondern auch, ob wir uns überhaupt von derartigen 'Vorschriften' leiten lassen müssen. Ist also ein bildungsbürgerlicher Kanon noch möglich bzw. nötig? Brauchen wir einen Kanon der Gebildeten? Gibt es subversive (Gegen-)Kanones? Welche Rolle spielen dabei Fernsehen, Hörfunk und Zeitungen? Welche heimlichen und offiziellen Kanones vermitteln (Vor-)Schule und Hochschule?

Der Tagungsband verzichtet darauf, neue Leselisten vorzuschlagen, sondern stellt den Austausch über die Bedingungen und Funktionen von Kanones in den verschiedenen gesellschaftlichen Bildungsbereichen in den Vordergrund. Er wagt vorsichtige Empfehlungen für einen zeitgemäßen Umgang mit Literatur und weist auf aktuelle bildungspolitische Dimensionen des Themas hin.

Vorwort von Olaf Kutzmutz, Wolfenbüttel im April 2002

Inhalt:

  • Vorwort
  • Frank Rainer Max
    Reclams "Gelbe Reihe" und der literarische Kanon
  • Horst Lauinger
    Gibt es eine Bibliothek der Weltliteratur?
    Vom Sinn und Nutzen verlegerischer Kanonisierung
  • Thomas Anz
    Einblicke in die literaturwissenschaftliche Kanonforschung
    Von der Vorschrift zur Beschreibung - und zurück?
  • Clemens Kammler
    Kanonpraxis in Schule und Hochschule - Ein Überblick
  • Eva-Maria Kabisch
    Wer schreibt uns vor, was wir lesen sollen? Zu Curricula & Co.
  • Isabelle Siemes
    Von der Gruppe 47 zur Pop-Literatur. Kanon und Mediengeschichte nach 1945
  • Michael Braun
    Das bleibt! Bleibt was? Vom Gebrauchswert eines Lyrik-Kanons und der Unzuständigkeit der Literaturkritik
  • Brigitte Oleschinski
    www.neuedichte.de Futterteig, Faulbrut oder Kunsthonig
  • Kanon in der Diskussion
    Podiumsgespräch mit Heinz Peter Meidinger, Paul Raabe und Klaus Ring, moderiert von Olaf Kutzmutz
  • Ost-West-Geschichten
    Thomas Brussig im Gespräch mit Olaf Kutzmutz