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Punkt für Punkt eine Äußerung angefügt

07.03.2018

Es ist das letzte Seminar nach 23 Jahren, das Prof. Rolf Thiele hier an der Bundesakademie im Bereich Bildende Kunst leitet und es ist mehr als ausgebucht. Der Künstler und Lehrer, bis 2007 war er als Kunstprofessor an der Hochschule für Künste Bremen, lebt und arbeitet in Galan/Frankreich. Rolf Thiele sagt, er kam damals an die Akademie, um dem Inhalt Anspruch zu geben. Für ihn heißt das, mit Menschen ernsthaft über einen längeren Zeitraum künstlerisch zu arbeiten und so Kontinuität herzustellen, im Gegenteil zum Malen als Freizeitgestaltung. Eines bedauert Rolf Thiele allerdings in der Zusammenarbeit mit der Bundesakademie. »Es ist nicht gelungen, etwas komparativ Gemeinsames mit den anderen kulturellen Schwerpunkten zu schaffen.«

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Die Programmleiterin für Bildende Kunst Dr. Sabine Baumann feierte vor 2 Jahren ihr 20-jähriges Jubiläum an der ba●. Auch sie hört dieses Jahr an der Bundesakademie als Programmleiterin auf. Sie arbeitete in all den Jahren sehr eng mit Rolf Thiele zusammen und stellte ihm zum Abschied nun drei Fragen:

Rolf, Du kommst seit 23 Jahren regelmäßig nach Wolfenbüttel in die Bundesakademie. Was hat Dich bewegt, immer wieder zu kommen?
Die Teilnehmer. Wenn man was beginnt und merkt, dass man sich Einfluss gebend geäußert hat, dann darf man die Teilnehmer danach nicht hängen lassen. So habe ich Punkt für Punkt immer noch eine Äußerung anzufügen gehabt. Ich habe zwischendurch öfter mal gedacht »Ich höre auf!«, aber die Teilnehmer wollten mehr. Einige von ihnen kommen schon seit zehn, ja sogar zwanzig Jahren hierher. Da habe ich Einfluss auf das Tun, die künstlerische Arbeit. Für mich war von Anfang an klar, das mache ich nur, wenn ich es über einen längeren Zeitraum machen kann – Bildung braucht Zeit. Nun sind es 23 Jahre geworden, im Strom der Wiederholung beim Weitermachen.

Du hast es schon erwähnt, nicht nur Du, sondern auch Deine Teilnehmenden kommen immer wieder. Wie gehst Du mit der Mischung zwischen den »alten« und »neuen« Teilnehmenden um?
Das ist für mich ein besonderer Reiz, mit unterschiedlichen Menschen zu arbeiten, die unterschiedliche Motive, Erfahrungen und Hintergründe haben. Die Vermischung gefällt mir. Gerade junge Menschen brauchen Lebenserfahrung. Wenn man die nicht hat, muss man erst mal so tun als hätte man welche. Das ist schon aufwendig, aber es lohnt sich. Ich erfahre ja auch ganz viel. Und mag den Kontakt zu nicht nur auf Ausbildung orientierten leidenschaftlichen Menschen.
Es ist wie die Antwort auf die alte Frage: Wie lernt man schwimmen? Indem man ins Wasser springt. Es ist zunächst schockhaft, das Wasser ist kalt, es gibt keine Sicherheit. So ähnlich ist das in der Kunst auch. Es entstehen Fragen, die durch den Schock hochgefahrene Aufmerksamkeit viel präziser sind. Die Teilnehmer sind mitten im Geschehen und das führt zunächst zu einer Überforderung, die aber für späteres Verstehen notwendig ist.

Jetzt hörst Du hier in Wolfenbüttel auf, aber das bedeutet natürlich nicht, dass Du als Künstler und Lehrender aufhören. Wie geht’s für Dich weiter?
Wolfenbüttel ist für mich eine gern wahrgenommene Marginalie, nur ein kleiner Punkt. Ich bin seit über 20 Jahren in Frankreich. Die Wiederaufnahme einer Strömung der Epoche der Romantik: Das Gesamtkunstwerk als Vereinigungsbestreben des stets voneinander Getrennten, nämlich von Kunst und Leben, wie es auch in der klassischen Moderne als Sehnsucht nach dem Nichterreichbaren stattfand. Auch hier kommen vergleichbar dieselben Teilnehmer zu mir. Einige kommen für ein paar Tage, andere bleiben Jahre. Der Unterschied zu Wolfenbüttel: Wenn man die Leute zu sich kommen lässt, kann man sie besser betrachten, geht man zu ihnen, wird man eher betrachtet.
Mein Ende in Wolfenbüttel ist fast willkürlich. Naja (guckt Sabine Baumann an): Wir hören in diesem Jahr zusammen hier auf.

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