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Digitale Realitäten in der Kulturellen Bildung

28.08.2018

Georg Peez ist Professor für Kunstpädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und beschäftigt sich in seiner Forschung und Lehre unter anderem mit dem Einsatz von Apps im Kunstunterricht sowie den Potenzialen erweiterter und virtueller Realitäten für die Kulturelle Bildung. Im Rahmen des Fachtags für Kunstschulen »Mixed Realities« am 9. August 2018 gab er in seinem Impulsvortrag und anhand konkreter Beispiele Einblicke in Augmented Reality und Potenziale erweiterter Realitäten für kunstpädagogische Praxisfelder.

Georg Peez

Herr Peez, was ist jetzt eigentlich noch mal genau Augmented und Mixed Reality?
»Augmented« bedeutet »erweitert« und heißt, dass unsere physische Wirklichkeit mit virtuellen Elementen erweitert wird. Mit unseren Mobilgeräten, also Smartphone, Tablet, SmartWatch oder Navi, sind wir ständig online. Unser Verhalten oder auch unsere Bewegungen im Raum sind hiervon mit beeinflusst. Heranwachsende kennen das nicht anders. In welchem Ausmaß sich die Wirklichkeitsebenen mischen (»Mixed Reality«), ist personen- oder auch situationsabhängig. Diese engen Verknüpfungen von physischer Präsenz und Virtualität sind geprägt durch die Erfahrung von Räumlichkeit, die dreidimensionale Darstellung (meist auf dem Touchscreen) sowie von Interaktivität zu Mitmenschen und zur physischen Umwelt in Echtzeit.

Sie beschäftigen sich seit einiger Zeit in Ihrer Forschung mit verschiedenen Realitätsdimensionen und deren Verknüpfung – was fasziniert Sie daran?
Konstruktivistisch gedacht ist für mich spannend, dass jeder von uns bedingt durch die eigene Wahrnehmung sowieso Wirklichkeiten konstruiert. Unsere Wirklichkeiten haben natürlich viele gleiche Anteile. Interessant ist nun, dass hier neue, virtuelle Wirklichkeitsebenen mit hinzukommen, die nicht nur rezipiert, sondern auch gestaltet werden können. Dies enthält Chancen, aber auch Risiken.

Inwiefern wird die Verbindung physischer und digitaler Realitäten den Bereich Kultureller Bildung // den Kunst-, Kultur- und Bildungsbereich in Zukunft verändern und prägen?
Künstlerinnen und Künstler hat immer schon das Changieren zwischen unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen interessiert, denken Sie beispielsweise an das Theater, an den Surrealismus oder auch Traumdarstellungen und Sagen in früheren Jahrhunderten. Heute gestalten Kunstschaffende eben auch mit Mixed und Augmented Reality. Derzeit gibt es eine Ausstellung Mainz (»Virtual Insanity« http://kunsthalle-mainz.de), bis vor kurzem in Stuttgart (»Mixed Realities« https://kunstmuseum-stuttgart.de). Diese Technologien sind u. a. im Alltag und im (Produkt-) Design angekommen. Ein Beispiel hierfür ist die KünstlerInnengruppe »Refrakt« (http://refrakt.org), die Werke in Ausstellungshäusern nicht physisch verändern, sondern man kann die Veränderungen nur virtuell wahrnehmen und mit ihnen interagieren, wenn man sein Smartphone oder Tablet nutzt. Dann fliegt beispielsweise die Leinwand davon oder das Bild wird farblich variiert – aber natürlich nur auf dem eigenen Bildschirm.

Welche Chancen sehen Sie für künstlerische und kunstpädagogische Praxisfelder?
Für die Kulturelle Bildung und Kunstvermittlung ist das spannend. Denken Sie daran, dass eine frühere übermalte Fassung direkt am Werk nun virtuell sichtbar gemacht werden kann. Aber auch umgekehrt können Kinder, Jugendliche und Erwachsene eigene Assoziationen individuell gestalten, die dann vor den Werken betrachtet und angehört werden können, ohne dass sich die Umgebung oder die Werke selbst verändern würden. Die Veränderung geschieht eben nur auf dem Bildschirm, ist aber sehr eindrücklich, da sie in 3D in Echtzeit geschieht und auch in Interaktion mit der Person, die das Ganze rezipiert. Kreative Anschlüsse ergeben sich u. a. zu Zeichnung, Foto, Video, Architektur, Montagen, Text, Installation, Ausstellung, Inszenierung, soziale Interaktion und öffentlicher Raum. Risiken sehe ich freilich im Bereich des Datenschutzes, da von Internetkonzernen viele persönliche Daten gesammelt werden können. Hierfür zu sensibilisieren, Grenzen aufzuzeigen, liegt in unserer Verantwortung, wenn wir diese Technologie in der Kulturellen Bildung einsetzen.



Eindrücke vom Fachtag für Kunstschulen »Mixed Realities« am 9. August



Veranstaltungen an der Bundesakademie

Das Thema »Mixed bzw. Augmented Reality« wird auch in Zukunft eine Rolle an der Bundesakademie spielen. Schauen Sie ab und zu mal auf der Website im Bereich Programm vorbei!

Neben dem Programmbereich Bildende Kunst widmen sich auch andere Programmbereiche diesen und ähnlichen Themen. Im Bereich Darstellende Künste trifft sich, z. B. einmal im Jahr die LAG Jugend und Film zum Fachtreffen (Virtuelle) Wirklichkeiten gestalten. Auch 2019 wird es das Fachtreffen geben.

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