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Diversität ist Chefsache

23.10.2018

In der ersten Förderrunde des Programms »360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft« förderte die Kulturstiftung des Bundes 17 Kultureinrichtungen auf ihrem Weg zu mehr Diversität mit rund 6 Mio. Euro. Die Einrichtungen umfassten sechs Museen, fünf Theater, fünf Bibliotheken und eine Musikschule. Gemeinsam mit der Institution sollten der bzw. die Agent_in über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren Vorschläge und Maßnahmen erarbeiten, wie sich die Institutionen diversifizieren und einen Beitrag zu einer selbstbewussten, Einwanderern gegenüber offenen Gesellschaft so gestalten können, dass die Stadtgesellschaft davon profitiert. Gerade wird die zweite Förderrunde vorbereitet, die Auswahl der Institutionen soll bis Ende 2018 abgeschlossen sein. Wir haben ein kurzes Interview mit Anna Zosik, der Leiterin des Programms, geführt.

Frau Zosik, 360 ° – was ist das und was wollen Sie bewirken?
»360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft« ist ein Programm der Kulturstiftung des Bundes, das Kulturinstitutionen aus den Sparten Kunst, Musik, Darstellende Künste, Literatur, Architektur, Neue Medien und verwandte Formen sowie spartenübergreifende Institutionen und kunst- und kulturhistorische Museen dabei unterstützen will, sich zu öffnen, zu verändern und mehr Vielfalt zu leben. Der Schwerpunkt dieses Programms liegt dabei auf dem Thema Migrationsgesellschaft. Dieses Programm soll dazu beitragen, dass sich die kulturelle Diversität der Städte künftig auch in den Programmangeboten, im Personal und im Publikum von Kultureinrichtungen widerspiegelt.

Beim Auswahlverfahren müssen die Leitungen der Häuser persönlich zum Gespräch kommen. Warum ist das so wichtig?
Das ist ein Ergebnis von vielen Prozessen, die mit Organisationsentwicklung zu tun haben. Es hat sich ganz klar gezeigt, dass Diversität ein Top-Down-Thema ist. Natürlich ist es auch wichtig, dass die Mitarbeiter_innen einer Organisation mit den Öffnungsprozessen einverstanden sind und das unterstützen. Aber um tatsächlich eine Veränderung herbeizuführen, ist es absolut notwendig, dass dezidiert die Leitung diesen Prozess vorantreiben möchte. Deshalb haben wir den zweistufigen Bewerbungsprozess gewählt. Neben dem Antrag wollen wir auch mit den Leitungen persönlich sprechen, um herauszufinden, wie stark sie tatsächlich dahinterstehen, sich diese Veränderungsprozesse wünschen und sich darauf einlassen wollen.

Die Fortbildung der Agent_innen findet in der Bundesakademie statt. Was erwarten Sie sich von den Fortbildungen?
Wir haben festgestellt, dass viele Menschen, die für dieses Programm zusammenkommen, sehr unterschiedliche Kompetenzen haben. Deshalb wollen wir sie in Fortbildungen dabei unterstützen, zum Beispiel auch methodisch weitere Kompetenzen zu erwerben und sich zu qualifizieren. Für uns ist die Bundesakademie ein optimaler Partner, weil diese Themen, die wir behandeln, in der Bundesakademie sehr oft schon länger Gegenstand sind. Das heißt, es ist dort eine Wissenskompetenz da. Und auch die Infrastruktur hilft uns sehr, diese Fortbildungen kompetent an einem Ort durchzuführen. 

Was ist für Sie als Leiterin das Besondere an diesem Programm?
Das ist ein Lernprozess, den wir da starten. 360 ° ist ein Pilotprojekt und wir merken an dieser Stelle, dass es bislang wirklich nur einzelne best-practice-Beispiele gibt. Das Interessante ist für mich, dass wir uns das Thema spartenübergreifend angucken. Und dabei wird eben deutlich, dass jede Kunst- und Kultursparte in dieser Entwicklung ganz woanders steht. Ich finde es sehr spannend und auch herausfordernd, zu schauen, wie wir diese Öffnungsprozesse für alle gestalten können.
 
Anna Zosik ist die Leiterin des Programms »360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft« und seit Juni 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Kulturstiftung des Bundes. Zuvor war sie von 2015 bis 2017 Projektmanagerin für Kulturelle Bildung bei der Zukunftsakademie NRW in Bochum und von 2012 bis 2014 als Projektmanagerin für Kulturelle Bildung bei der Kulturprojekte Berlin GmbH tätig. Anna Zosik ist Mitbegründerin und Kuratioriumsmitglied des Kunstvereins artransponder e.V., Mitbegründerin vom eck_ik büro für arbeit mit kunst und Teaching Artist an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

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