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»Durch Verrat hindurch – Musik als imaginativer Erkenntnisraum«

Mit dem Trio Signum und Kadja Grönke (Moderation/Gespräch).
Am Sonntag,  15.02.2026 um 18:00 im Gästehaus, Schünemanns Mühle, Rosenwall 17.

Das Projekt Durch Verrat hindurch untersucht die Möglichkeit, mittels Musik innere Haltungen, emotionale Reflexionen und kulturelle Bedeutungsräume zu erschließen, die im Alltag häufig verdeckt bleiben. Ausgangspunkt ist Dantes Inferno, insbesondere der XXXII. Gesang, in dem der Verrat als die schwerste und zugleich zerstörerischste Form menschlichen Fehlverhaltens beschrieben wird. Dantes Vision des Cocito – eines zu Eis erstarrten Sees im letzten Kreis der Hölle – fungiert als symbolische Topografie des völligen Stillstands und der inneren Verhärtung.
In gegenwärtigen gesellschaftlichen Spannungsfeldern gewinnt das Thema des Verrats eine neue Relevanz. Verrat erscheint sowohl als reales Phänomen wie auch als rhetorische Konstruktion, die dazu dient, politische, soziale oder individuelle Positionen zu legitimieren. Aus kulturwissenschaftlicher Sicht lässt sich dieser Prozess als Eskalationsspirale beschreiben, die ein Crescendo und Accelerando der Entfremdung erzeugt und in einem Klimax der Desintegration münden kann.
Im Mittelpunkt des Projekts steht der Werkzyklus Pfade, mit denen Violeta Dinescu ausgehend von den geschilderten Überlegungen der Frage nachgeht, inwiefern Musik als ästhetisches Medium einen Gegenraum eröffnet: Einen Raum, in dem imaginäre Erfahrungen möglich werden, die nicht in realen Handlungen enden müssen, sondern zur Selbsterkenntnis beitragen können. Musik besitzt die besondere Fähigkeit, Prozesse von Erstarrung, Verdichtung und innerer Wandlung sinnlich erfahrbar werden zu lassen. Sie bildet – gerade in Abwesenheit begrifflicher Festlegungen – ein Feld der Wahrnehmung, in dem emotionale, ethische und existenzielle Dimensionen erschlossen werden können.

Mit den Werken von Corneliu Dan Georgescu, Laura Manolache u.a. sollen außerdem unterschiedliche Facetten des Verrats beleuchten: Die Dynamik gradueller Eskalation sowie die Möglichkeit innerer Distanzierung. Das Projekt versteht sich damit sowohl als musikalische Reflexion wie auch als Beitrag zu einer breiteren Diskussion über ethische Orientierung in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung.

Das Publikum wird von der renommierten Musikwissenschaftlerin Kadja Grönke (Oldenburg) durch den Abend geführt. Sie wird das thematische Feld erörtern und dem Publikum Zugänge zu den einzelnen Werken des Abends, aber auch zu zeitgenössischer Musik im Allgemeinen eröffnen.

Mit freundlicher Unterstützung von

Braunschweigische Stiftung, Ursuls Mamlok Stiftung,

Trio Signum

Andrei Cuibariu
Sorin Petrescu
Dorin Cuibariu

Andrei Cuibariu wurde 2005 in Timisoara geboren. Er absolvierte das Kunstgymnasium Ion Vidu in Temeswar im Fach Klarinette. Derzeit studiert er im ersten Studienjahr an der Fakultät für Musik und Theater in Temeswar mit Schwerpunkt Instru­mentalinterpretation – Klarinette. Er hat bereits an zahlreichen Wettbewerben und Meisterkursen teilgenommen und eine Vielzahl von Rezitalen gegeben, zuletzt beim Internationalen Sabin-Păutza-Festival 2024. Zu seinen Fortbildungen zählen unter anderem die Eufonic Motions Masterclass (2023) sowie eine Meister klasse für Klarinette unter der Leitung von Lect. Univ. Dr. Cosmin Hârșian (2024).Er ist Klarinettist im der Philharmonie Banatul und tritt sowohl national als auch international auf.

Dorin Cuibariu wurde 1970 in Timișoara geboren. Er begann sein Musikstudium am Konservatorium in Timișoara und setzte es an der Musikakademie in Cluj-Napoca fort. Aufgrund seines Könnens und Engagements wurde Cuibariu im Laufe seiner Karriere mit mehreren Auszeichnungen geehrt, die seine Verdienste um die rumänische Musikwelt unterstreichen. Seit 1994 lehrt er als Dozent am Konservatorium in Timișoara, wo er maßgeblich an der Ausbildung des künstleri-schen Nachwuchses beteiligt ist. Ein Jahr später wurde er Mitglied der Philharmonie Banatul.

Sorin Petrescu wurde 1959 in Timisoara geboren. Als versierter Solopianist und mehrfach ausgezeichneter Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe begann seine herausragende Karriere mit dem renommierten Preis der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt 1990. Sein beeindruckend weites Repertoire umfasst Werke von Bach bis zur zeitgenössischen Musik. Er hat über 300 Werke uraufgeführt, von denen viele speziell für ihn komponiert wurden. Zudem promovierte er als Musikwissenschaftler über das Thema »Klang und Stille.« Als Initiator zahlreicher internationaler Musikprojekte hat er intensiv mit Komponisten und Komponistinnen weltweit zusammengearbeitet. Dazu kommt die besondere Fähigkeit zur Schaffung durchdachter Arrangements für unterschiedliche Besetzungen.

Programm

Einführung: Corneliu Dan Georgescu

Violeta Dinescu »Pfade I« für Klarinette, POSaxUNE*/Kürbisax* und Klavier (2024)
Hans-Christian von Dadelsen »Klavierstück II« (1990)
Violeta Dinescu »Pfade II« für Klarinette, POSaxUNE*/Kürbisax*/Kaval und Klavier (2024)
Ursula Mamlok »Sculpture« für Klavier (1964)
Ursula Mamlok »Rückblick« für Klarinette und Klavier (2002)
Violeta Dinescu »Über den weißen Pfad« für Klarinette und Klavier (2025, UA)
Corneliu Dan Georgescu »7 Miniaturen« (Nr. 69, 66, 50, 81, 62, 78, 41) aus dem
Zyklus »Transsylvanische Motive« (2000-2022).
Adaption für Klarinette/Saxophon, Klarinette/Saxophon/Fluier/Schlagzeug und Klavier
von Sorin Petrescu
Violeta Dinescu »Pfade III« für Klarinette, POSaxUNE*/Kürbisax* und Klavier (2024)
Laura Manolache »Die Abfahrt« für Klavier, Text: URMUZ (2009/Arr. für Klarinette,
Fluier/Carabă* und Klavier von Sorin Petrescu 2024)
Violeta Dinescu »Pfade IV« für Klarinette, POSaxUNE*/Kaval und Klavier (2024)

*speziell für diese Stücke konstruierte Instrumente