Was wäre, wenn ein Bild sich mit KI an meine Gegenwart anpasst?
Ich stehe vor einem Gemälde aus dem 18. Jahrhundert. Die Komposition ist komplex, die Symbolik verschlüsselt, der historische Kontext unbekannt. Normalerweise würde ich jetzt weitergehen. Oder mich durch einen sperrigen Wandtext kämpfen.
Doch dieses Mal spreche ich das Bild einfach an. Und es antwortet. Erklärt, wer die Weberin war, deren Hände es zeigt. Erzählt vom Klang der Straße um 1790. Übersetzt fremde kulturelle Codes in meine Lebenswelt. Plötzlich ist Kunstgeschichte kein abgeschlossenes Archiv mehr, sondern ein lebendiger Dialog.
Was KI in der kulturellen Bildung möglich macht
KI baut Barrieren fundamental ab: Kulturangebote werden mehrsprachig zugänglich, in Echtzeit, in Gebärdensprache, in Leichter Sprache. Kunstwerke werden zu Gegenübern, die auf Betrachtende reagieren. Ein Tänzer tanzt, die KI komponiert in Echtzeit dazu. Ein Stadtteil erstellt gemeinsam ein Mural – jede_r zeichnet auf dem Handy, KI fügt es zu einem kohärenten Werk zusammen. Eine Musikerin setzt sich ans Klavier, spielt eine Melodie, und Beethoven antwortet.
Darüber hinaus macht KI Archive durchsuchbar und marginalisierte Kulturformen sichtbar. Sie kann analysieren, wer in Spielplänen vorkommt. Und wer fehlt.
Damit wird Diversität nicht nur gefordert, sondern überprüfbar gemacht.
Potenziale – und ihre kritische Begleitung
Bei allen Möglichkeiten bleibt kritische Reflexion zentral: Algorithmen sind nicht neutral. Viele Systeme repräsentieren westliche, hegemoniale Ästhetiken. Gute KI-Nutzung bedeutet, KI als Werkzeug zu sehen, nicht als Autorität. Gerechtigkeit, Teilhabe und Machtfragen bleiben menschliche Aushandlungen, keine technischen Lösungen.
Von der Vision zur Praxis
Diese Potenziale zu nutzen, erfordert Kompetenz und genau die ist oft noch nicht vorhanden. Viele kulturelle Bildner_innen fühlen sich überfordert: Entwicklungen sind rasant, Anwendungen zahlreich, die Einschätzung ihrer Relevanz unklar.
Hier setzt das Projekt »KI-Kultur – Kompetenzaufbau für KI-Beratung in der Kulturellen Bildung« der Bundesakademie Wolfenbüttel an. Von 2026 bis 2028 werden bis zu 24 Fachkräfte der Kulturellen Bildung aus den Sparten Musik, Bildende Kunst und Literatur qualifiziert, um Kultur- oder kulturpädagogische Einrichtungen beim verantwortungsvollen Einsatz generativer KI in Bildungs- und Vermittlungsprozessen zu begleiten.
Im Zentrum der Qualifizierung stehen keine einzelnen Tools, sondern übertragbare Kompetenzen für einen souveränen, reflektierten Umgang mit KI in kulturellen Kontexten. Vermittelt werden Urteilsfähigkeit, Kontextanalyse und strategisches Denken.
Die Teilnehmenden lernen, Bedarfe von Kultureinrichtungen systematisch zu erfassen, KI-Potenziale zu identifizieren, Risiken realistisch einzuschätzen und daraus tragfähige Strategien zu entwickeln. So entsteht keine Abhängigkeit von einem bestimmten Technikstand, sondern eine belastbare Grundlage, mit der neue Entwicklungen eigenständig eingeordnet, geprüft und verantwortungsvoll integriert werden können.
Denn die Fragen bleiben komplex: Welche KI-Anwendung macht in welchem Bildungs- und Vermittlungssetting Sinn? Wie können diese neuen Möglichkeitsräume ethisch, rechtlich und vor allem ästhetisch reflektiert genutzt werden?
Wie die Qualifizierung abläuft
Das Herzstück ist eine fünfmodulige Qualifizierung (drei Präsenz-, zwei Online-Module) ab Ende 2026. Die Teilnehmenden lernen nicht nur technische Grundlagen, sondern vor allem, wie sie andere beraten: Welche Fragen stelle ich beispielsweise einer Musikschule, einem Theater? Welche KI-Strategie passt wohin?
Danach folgt die Praxisphase: Die Berater_innen begleiten Kultureinrichtungen direkt vor Ort. Insgesamt bis zu 24 Tandems aus Beratung und Praxis. Parallel baut die Bundesakademie in Wolfenbüttel eine Anlaufstelle auf – mit Online-Materialien, Kursen und Beratung für alle, die KI in der Kulturellen Bildung einsetzen wollen.
Was kann KI uns bieten, was wir nicht alleine können?
Unmögliche Kollaborationen – zwischen Lebenden und Toten, Genres und Epochen. Betrachter_innen, die zum Teil des Werks werden. Lernräume, die sich an jede_n einzelne_n anpassen. Was noch? Das hängt von unserer Kreativität ab.Wenn Sie sich qualifizieren lassen möchten oder Ihre Einrichtung Begleitung beim Einsatz von KI sucht, dann merken Sie sich vor:
- Frühsommer 2026: Infos zu Teilnahmevoraussetzungen und Bewerbung
- 02.11.2026: Öffentliche Auftakt- und Netzwerkveranstaltung in Wolfenbüttel
- April 2027 – Oktober 2027: Qualifizierungsreihe
Schreiben Sie uns für weitere Informationen: KI-Kultur[at]bundesakademie.de