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Geschäftsbericht

2025 – das Jahr des Weiterreitens

Auf gut ausgebauten, geraden Wegen fällt das Reiten leicht und man behält die Zügel sicher in der Hand. Holprige und steinige Wege dagegen verlangen von Reiter_innen und Pferden besondere Kompetenzen, schulen diese dadurch aber auch. Ein bisschen so ging es uns als Team 2025 an der Bundesakademie.

Das Jahr 2024 schloss seit vielen Jahren erstmalig mit einem kleinen Defizit ab, das sich in 2025 stark zu vergrößern drohte. Ursächlich für dieses Defizit ist eine seit 2018 mangelnde Erhöhung der institutionellen Förderung durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen (MWK) bei gleichzeitig stark steigenden allgemeinen Kosten, zusätzlichen organisationalen Anforderungen wie Datenschutz, Arbeitsschutz, IT-Infrastruktur und Service sowie vor allem steigenden Personalkosten durch die Tarifgebundenheit.
Der Akademie gelang es sieben Jahre lang, diese Kostensteigerungen durch Eigeneinnahmen und Einsparungen auszugleichen. Im Jahr 2024 war dies erstmalig nicht mehr möglich und in der Prognose auch für 2025 nicht erreichbar. So mussten wir vor allem in der zweiten Jahreshälfte drastischere Sparmaßnahmen in Angriff nehmen und beispielsweise den Druck des 2. Halbjahresprogramms, das FSJ und Dienstreisen weitestgehend einstellen. Gleichzeitig intensivierten wir unsere Gespräche mit Förderern und Förderinnen sowie der Politik, um noch stärker als die Jahre zuvor auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Diese Aktivitäten waren schließlich von Erfolg gekrönt, so dass wir vor allem durch eine einmalige Förderung der Stadt Wolfenbüttel (erstmalig in der Geschichte der Bundesakademie), die Akquise zusätzlicher Programme wie »Aller.Land« und eine sehr gute Auslastung unseres Gästehauses das Defizit des Jahres 2025 relativ klein halten konnten (siehe auch Zahlen).

Der Blick nach vorne scheint positiver. Das Land Niedersachsen hat ab 2026 eine Erhöhung der institutionellen Förderung bewilligt, aber der Weg bleibt hindernisreich. Auch in 2026 werden eine sehr gute Auslastung des Hauses, die kontinuierliche Einnahme von Drittmitteln und weitere politische Aktivitäten zur Unterstützung der Akademie nötig sein. Aber nicht nur der Weg wird in den nächsten Jahren unebener, sondern auch unsere Kompetenzen als Reiter_innen werden besser. Wir lernen das Fallen und vor allem das Aufstehen!

Seminar- und Tagungsangebot – von Trab bis Galopp, aber mit weniger PS

Mit Blick auf eine gute Auslastung des Hauses und auf die sehr begrenzten Möglichkeiten unserer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit/Marketing, die weiterhin nur mit einer halben Stelle und etwas studentischer Unterstützung existiert, waren die Programmleitenden in 2025 angehalten, eher »auf Sicherheit« zu fahren und nur so viele Angebote zu planen, wie auch erfolgreich stattfinden können. Trotz dieser Bedingungen und teilweise reduzierter Stellenanteile konnte eine beachtliche Anzahl an Kursangeboten umgesetzt werden. Im Berichtsjahr hatten wir drei von sechs Programmleiterstellen nicht voll besetzt (Musik 50%, Museum 80% und Kulturmanagement & Kulturpolitik teilweise 60%).
Dies hatte im Jahr 2025 unterschiedliche Gründe. In der Tendenz gibt es jedoch ab 2026 schon zwei Programmleiter_innenstellen, die aufgrund mangelnder Personalkosten dauerhaft reduziert besetzt sind: Musik mit 50% und Museum mit 75%. Neben immer mehr Ressourcen, welche die Programmleitenden für Kurswerbung investieren müssen, hat der Abbau von vollen Programmleiterstellen langfristig natürlich Auswirkungen auf die Vielfalt des Programms und stellt eine Bedrohung der Grundstruktur der Bundesakademie dar. Ein Szenario, das aus Sicht der Geschäftsführung unbedingt verhindert werden sollte, um weiter dem satzungsgemäßen Auftrag der Akademie als Einrichtung des Landes in vollem Umfang nachkommen zu können.

Wenn genügend Zeit und Ressourcen in die Bewerbung des Programms fließen können, sind die meisten Kurse gut nachgefragt und die Akademie erhält regelmäßig ein sehr gutes »Zeugnis« in den laufenden Evaluationen unserer Angebote. Highlights sind natürlich Tagungen, die innerhalb kurzer Zeit viele Menschen ansprechen und auch in 2025 sehr erfolgreich und mit externen Kooperationspartnern vor allem in den Themen Nachhaltigkeit, Diversität/Machtmissbrauch und im für die Akademie eher neuen Thema der baukulturellen Bildung umgesetzt werden konnten. (siehe auch Jahresbericht der Programmleitenden) Auch versuchen wir programmbereichs- und spartenübergreifend über zentrale Themen wie Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz (KI), Demokratiebildung oder (Selbst-)Führung die Teilnehmenden zu animieren, den Blick auch auf andere Sparten und damit auf das gesamte Angebot der ba• zu lenken. Besonders zu erwähnen sind an dieser Stelle Angebote, die vom MWK für niedersächsische Akteure in 2025 gefördert wurden: NAHKULT, unsere Qualifizierung für gemeinwohlorientiertes Transformationsmanagement, und unsere spartenspezifischen Angebote im Bereich KI, die auch 2026 weiter fortgesetzt werden.
Alles in allem ist die Programmentwicklung und -nachfrage auch im Jahr 2025 positiv zu beurteilen, wenn man von den enger werdenden Personalressourcen absieht.

Gastbelegung – ein anspruchsvoller Ritt

Die Gastbelegung bedient weiterhin vor allem regionale Gruppen, Vereine und Verbände, aber teilweise auch wirtschaftsnahe oder Einzelakteure in ihrem Bedarf, verkehrsgünstig gelegene, gut ausgestattete Arbeitsräume in angenehmer Atmosphäre mit Vollverpflegung zu mieten. Das Rekordergebnis des Jahres 2024 konnte die Gastbelegung bei den Teilnehmendenfällen (einschließlich Besucher_innen von Lesungen und Konzerten) im Berichtsjahr bestätigen und den Umsatz im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 noch einmal deutlich steigern (s. auch Bericht Gastbelegung). Dennoch mangelt es an dieser Stelle langfristig an Personalressourcen: Wir mussten in 2025 eine Stellenvakanz in der operativen Gastbelegung verkraften und nach wie vor sind 50% Stellenanteil für die Vermietung, Abrechnung und Betreuung unserer Gastbeleger viel zu niedrig angesetzt. Zudem können wir aufgrund von Mangel an Hauswirtschaftspersonal nicht allen Verpflegungswünschen nachkommen.

Es besteht weiterhin Potenzial, die Belegungslücken des Gästehauses zu füllen und damit die Einnahmen durch die Vermietung unserer Räume noch zu steigern. Allerdings ist eine hohe Grundgesamtheit an Gästeanfragen von außen hierfür notwendig, da viele Wünsche aufgrund zeitlicher, räumlicher oder personeller Kapazitäten nicht erfüllt werden können. Kurzfristige Stornierungen von Belegungen ebenso wie frei werdende Kapazitäten durch Kursausfälle auf Seiten der Akademie können oftmals nicht zeitnah erneut vermietet werden. Es bleibt mithin immer ein gewisser Unsicherheitsfaktor in der Vermietung des Gästehauses bei gleichzeitig relativ hohem Personalaufwand, der aufgrund der Sonderwünsche und speziellen Anliegen der Interessent_innen sowie der Notwendigkeit einer engen Kundenbeziehung kaum effektiver gestaltet werden kann, beispielsweise durch KI-Anwendungen.

Projekte und Drittmittel – fest im Sattel

Auch im Jahr 2025 ist es – vor allem auch durch die Unterstützung der Stelle Drittmittelmanagement und Kundenbeziehungen, die zu 50% durch das MWK gefördert wird – gelungen, inhaltlich und finanziell wichtige Drittmittelprojekte einzuwerben. Neben einigen kleineren Förderungen, welche auf programmbereichsspezifische Kursangebote bezogen sind und vor allem den Sinn haben, die Teilnehmendengebühren zu reduzieren oder Tagungen umzusetzen (2024 bis 2026 vermehrt in der Musik, in den Darstellenden Künsten, aber auch im Programmbereich Museum), sind an dieser Stelle vor allem größere Projekte zu nennen, die 2025 eingeworben werden konnten. So die achtmodulige Qualifizierungsreihe »Künstler_innen für Kulturelle Bildung« (KüKuBi) gefördert von der Crespo Foundation, der Commerzbank Stiftung, der Beisheim Stiftung sowie der Zeit Stiftung Brucerius, welche Künstler_innen auf ihre Vermittlungstätigkeit in Bildungsinstitutionen in besonderer Weise vorbereitet. Des Weiteren die Qualifizierung der Akteure der 30 Aller.Land-Regionen überall im Bundesgebiet, welche die Bundesakademie bis 2029 übernommen hat. Ein Projekt, in dem die bisherigen Erfahrungen und Kompetenzen der Bundesakademie in den Feldern Kulturentwicklung und Demokratiebildung optimal zum Einsatz kommen und wir durch viele »on-tour« Veranstaltungen außerhalb der Wolfenbütteler Akademieräume unser Netzwerk erweitern werden. Darüber hinaus werden wir weiterhin eng mit dem Referat »Kulturelle Bildung, Demokratiebildung« des BMFTR jetzt BMBFSFJ zusammenarbeiten in der Fortsetzung des Programms Kulturelle Bildung als Praxis der Demokratiebildung »Mapping KuBiDemo« sowie einem neuen Projekt »KI-Kultur. Kompetenzaufbau für KI-Beratung in der Kulturellen Bildung«, das Kultur- und kulturpädagogische Einrichtungen bei ihrem Einsatz von KI im Bereich der Kulturellen Bildung und Vermittlung unterstützen soll.

Neben diesen größeren programmatischen Projekten, konnte die Bundesakademie über Drittmittel ihre Servicequalität im Berichtszeitraum erweitern. So wurde der Umbau der dritten Etage unseres Gästehauses durch das MWK unterstützt, um eine bessere Verpflegung und inklusivere Nutzung des dortigen Seminarraumes zu ermöglichen; wir konnten (endlich) unsere E-Ladesäule installieren und gegen Ende des Jahres gelang uns die Bewilligung eines LEADER-Antrages, der neues Sitzmobiliar, eine dringend benötigte modernisierte Tonanlage sowie eine smarte Energiesteuerung ermöglichen wird. Dieser knappe und durchaus nicht vollständige Einblick zeigt die erfolgreiche Dynamik unserer Drittmittelbewilligungen.

Gesellschaftspolitisches Engagement – Transformation ist ein Marathon

Nachdem wir im Sommer 2024 stolz unsere erste Bilanzierung als gemeinwohlökonomiezertifiziertes Unternehmen abschließen konnten, haben wir uns 2025 vorgenommen, über die Qualifizierungsreihe NAHKULT weitere Akteure auf diesen Weg aufmerksam zu machen. In der Reihe »Wolfenbütteler Begegnungen« zusammen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Herzog August Bibliothek und der MdB Dunja Kreiser konnten wir Christian Felber, den Mitbegründer der Gemeinwohlökonomie (GWÖ), einladen und das Thema 120 Menschen aus der Region vorstellen. Eine Maßnahme aus der GWÖ-Transformation der Akademie ist der in 2025 gemeinsam entwickelte Code of Conduct, der widerspiegelt, was uns in der Zusammenarbeit miteinander und mit Teilnehmenden sowie Partnern wichtig ist.

Ein regionales Projekt »Luft & Liebe«, das sich der kulturellen Demokratiebildung widmete und das wir im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben« und mit der Partnerschaft für Vielfalt und Toleranz im Landkreis Wolfenbüttel umgesetzt haben, ist ein weiteres Beispiel für das gesellschaftspolitische Engagement der Akademie über die enge Zielgruppe der kulturschaffenden und kulturvermittelnden Multiplikator_innen hinaus.

In 2026 bereiten wir unsere Re-Bilanzierung vor, widmen uns weiterhin nicht nur ökologischen, sondern auch ökonomischen und sozialen Fragen von Nachhaltigkeit und nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung als Bildungs- und Kultureinrichtung sehr ernst.

Fazit

Die Bundesakademie schafft es Dank eines engagierten und überzeugten Teams immer wieder, Widrigkeiten aller Art, gesellschaftlichen Veränderungen und unvorhersehbaren Hindernissen mit viel Resilienz und Kreativität zu begegnen. Das Weiterreiten ist uns nicht mühsame Last, sondern erkenntnisreiche Reise. Wenn wir doch manchmal stolpern, lernen wir und geben diese Erkenntnisse gerne an andere weiter. Dies alles wäre nicht möglich ohne tatkräftige Begleitung von außen – durch einen verlässlichen Vorstand, durch einen ideenreichen Beirat, durch langjährige Unterstützer_innen im MWK, im BMBFSFJ, in der Stadt Wolfenbüttel, in der Landes- und Bundespolitik und im reichen Feld der Stiftungen. Lassen Sie uns weiter gemeinsam Pferde stehlen!