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Newsletter Juli 2026

Unser aktueller Kultur-Newsletter befasst sich mit dem Thema Kulturpolitik.
Fördermittel werden hinterfragt, gesellschaftliche Spannungen steigen und die Neugier auf Andersartigkeit nimmt ab. Kulturpolitik ist längst keine Randnotiz mehr, sondern eine Frage, die uns alle betrifft. In dieser Ausgabe zeigen wir, wie man überzeugend für Kultur argumentiert, was die aktuelle Studienlage dazu sagt, und wie die ba• selbst seit Jahren an diesen Themen arbeitet, wissenschaftlich, publizistisch und in der Praxis. Dazu gibt's Neuigkeiten aus unserem Vorstand, ein Wiedersehen mit dem KüKuBi-Netzwerk und einen Blick auf unser Green-Nudging-Projekt.

»An der Kultur werden wir unsere öffentlichen Haushalte nicht sanieren.«

Stattdessen können wir im Bereich der Freiwilligen Aufgaben allerdings irreparable Schäden an unserer Demokratie verursachen.*

Kunst und Kultur geraten zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Fördermittel werden hinterfragt, einfache Antworten finden in öffentlichen Debatten oft mehr Gehör als komplexe Zusammenhänge. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Kultur ihre Bedeutung überhaupt ständig beweisen muss, und wenn ja mit welchen Mitteln.
Beim Fachcamp »The Art of Relevance – Wirksames Argumentieren für Kulturförderung heute« diskutierten die Teilnehmenden darüber, mit welchen Argumenten wir welche Zielgruppen erreichen? Wo helfen Zahlen und Fakten und wo sprechen persönliche Erfahrungen eine stärkere Sprache?
Geleitet haben das Fachcamp Jérôme Jussef Lenzen, Co-Programmleiter Kulturmanagement und Kulturpolitik, und Katherine Heid, Changemanagerin und systemische Coachin mit Fokus auf Transformation in Kultur und Politik. Im Gespräch geht es um die Chancen und Grenzen von Wirkungsargumenten, den Umgang mit kulturpolitischem Druck und wie Kultur ihre gesellschaftliche Relevanz sichtbar machen kann, ohne sich auf wirtschaftliche Kennzahlen reduzieren zu lassen. Denn eine zentrale Erkenntnis des Camps ist, dass über Anekdoten, persönliche Geschichten und Einzelbeispiele der Wert von Kunst, Kultur und Kultureller Bildung am überzeugendsten vermittelt werden kann.

Hier geht es zum Interview.

*Beide Zitate von Jérôme Lenzen in o.g. Interview, vom 20.07.26

Die Studienlage

Die Diskussion darüber, wie sich der Wert von Kultur vermitteln lässt, wird seit einigen Jahren von einer wachsenden Zahl an Studien begleitet. Es geht dabei nicht darum, Kultur auf Zahlen zu reduzieren, sondern auch jene Wirkungen sichtbar zu machen, die lange als schwer messbar galten: gesellschaftlicher Zusammenhalt, Wohlbefinden, demokratische Teilhabe, die Attraktivität von Städten und Regionen.

Relevanzmonitor Kultur 2025 (Liz Mohn Stiftung)

  • »Rund 4 von 5 Bürger_innen sind überzeugt: Kulturangebote fördern die Demokratie«.

  • »Eine sehr große Mehrheit der Bürger_innen ist jeweils der Ansicht, dass Kultur wertvolle Gemeinschaftserlebnisse ermöglicht (92 %) und Menschen über Grenzen und Unterschiede hinweg verbindet (90 %)«.

  • »Knapp zwei Drittel der Bürger_innen finden es sehr wichtig (16 %) oder wichtig (47 %), in einem Ort mit einem breiten kulturellen Angebot zu leben – als Zugang zu Bildung, Wissen und Teilhabe«.

  • »Knapp drei Viertel sind der Ansicht, dass Kulturangebote Zugang zu Bildung und Wissen für alle schaffen (74 %) und dass sie Vielfalt und Diversität umfänglich darstellen (71 %)«.

»Standortfaktor Kultur in Berlin« (Institut für Kulturelle Teilhabeforschung, IKTf)

  • »Öffentliche Investitionen in Kultureinrichtungen erzeugen erhebliche wirtschaftliche Rückflüsse: Jeder investierte Euro erzeugt im Durchschnitt mehr als 3,50 Euro an wirtschaftlichen Rückflüssen«.

  • »Kulturelle Angebote zählen zu den wichtigsten Gründen für touristische Reisen nach Berlin: Sehenswürdigkeiten (63 Prozent) und das Kunst- und Kulturangebot (61 Prozent) zählen zu den wichtigsten Motiven«.

  • »Regelmäßige Kulturbesuche stehen in engem Zusammenhang mit höherem Wohlbefinden und besserer Gesundheit: Vier oder mehr Besuche im Jahr steigern das individuelle Wohlbefinden und die Gesundheit etwa so stark wie ein bis zu 2.700 Euro erhöhtes Jahreseinkommen.«

Beide Studien liefern keine abschließende Antwort auf die Frage nach dem Wert von Kultur – und ersetzen nicht die persönliche Erfahrung, die ästhetische Begegnung oder das individuelle Erleben. Aber sie zeigen: Kultur trägt auf vielfältige Weise zum Gemeinwohl bei. Gerade in Zeiten, in denen Kulturförderung immer wieder zur Disposition steht, können solche Erkenntnisse eine wichtige Grundlage für kulturpolitische Debatten und Entscheidungen sein.
Weitere Studien finden Sie unter den Literaturtipps.

Positionen aus der ba•

Die Bundesakademie arbeitet schon seit vielen Jahren zu den Themen, die gerade wieder aktuell durch die Studien belegt werden – nicht nur in Projekten, sondern auch wissenschaftlich und publizistisch:

Aus dem Haus

12 Jahre, die etwas bedeuten

Gerd Dallmann legt nach 12 Jahren den Vorsitz des Vorstands der Bundesakademie nieder. Ein kleiner Rückblick auf die Feier und die schöne gemeinsame Zeit mit ihm findet sich in diesem Bericht auf dem Blog.
Neu in den Vorstand gewählt wurde Dr. Johannes Janssen. Nach Studium, Promotion und einem Volontariat am Saarlandmuseum war er Kurator und Direktor des Museums Sinclair-Haus in Bad Homburg. Seit 2019 leitet er als geschäftsführender Direktor die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die VGH Stiftung in Hannover – beide Stiftungen fördern die kulturelle Weiterentwicklung in Niedersachsen und Bremen.
Neue Vorsitzende des Vorstands wird Berbel Unruh, bisher einfaches Vorstandsmitglied. Sie ist Verbandsdirektorin des Landesverbands der Volkshochschulen Niedersachsens e.V.
Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit Johannes Janssen und Berbel Unruh in ihrer neuen Rolle – und wünschen Gerd Dallmann für alles, was kommt, das Allerbeste.

KüKuBi: Eine intensive Zeit ist vorbei, das Netzwerk bleibt

Welches Volkslied wird zur inoffiziellen Kurshymne, wenn 25 Kulturschaffende acht Monate lang zusammen lernen? Projektleiter Malte Wegner erzählt im Interview, was ihn am meisten überrascht hat und wie es mit dem Netzwerk jetzt weitergeht.
Im November 2025 kamen die 25 Teilnehmenden aus ganz unterschiedlichen künstlerischen Sparten an der Bundesakademie zusammen, um den Zertifikatskurs »KüKuBi – Künstler_innen für Kulturelle Bildung« zu durchlaufen: acht Module zu Theorie und Praxis der Kulturellen Bildung, zu Finanzierungsplänen und Evaluation, und viel Austausch über die eigene Praxis.
Anfang Juni 2026 endete der Kurs. Zum ganzen Interview mit Malte Wegner geht es hier.

Green Nudging: Schaffst du es, bei Grün zu bleiben?

Eine Dusche, die Rückmeldung gibt, ein Lichtschalter, der zum Abschied gedrückt werden will und eine freundliche Tasse, die zum Nachfüllen einlädt statt zum Wegwerfen. Dahinter steckt das Projekt Green Nudging, mit dem wir unsere Gäste und Mitarbeitenden mit kleinen Hinweisen zu  umweltfreundlicherem Verhalten anregen wollen. Gefördert wird das Projekt von den Mast-Stiftungen und der Loki Schmidt Stiftung.

Green Nudging ist ein Projekt unserer Arbeitsgruppe Gemeinwohl-Ökonomie. Dahinter steht ein Wirtschaftsmodell, das Erfolg nicht am Gewinn misst, sondern extern prüfen lässt, was eine Einrichtung tatsächlich für Menschen und Umwelt leistet. Seit 2024 sind wir als eine der ersten Kultureinrichtungen der Region GWÖ-zertifiziert.

Mehr zu den einzelnen Maßnahmen zeigen wir gerade auf Instagram.

Literaturtipps

Termine an der ba•

Barcamp »Im Geflecht«
Solidarische Kulturarbeit denken & gestalten – Szenarien entwickeln, Handlungsspielräume stärken
18.08. -19.08.

Haltung als Prinzip
Durch Kulturelle Bildung Demokratie stärken
08.11 - 10.11.

Auftreten, Sprechen, Überzeugen
Auftrittstraining für künstlerische und politische Aktivist_innen sowie alle anderen Vortragenden
20.11. - 22.11.

Demokratisch kuratieren
Demokratische Werte in der kuratorischen Praxis des Museums
25.11 - 26.11.

Demokratie mit Luft & Liebe
Erinnerung sichtbar machen. Gastarbeiterinnen zwischen Herkunft, Theater und Ankommen
Film- und Dialogveranstaltung im Herbst 2026

6. Bundeskongress Kulturelle Schulentwicklung
Save the Date: 23. – 24. September 2027
 

Fotos:  Ilja Mess, Helge Krückberg, ba, Andreas Rudolph